Hart, aber doof!
Tja, da lief gerade eine Sendung im WDR, die sich um das Thema „Vom Ballerspiel zum Amoklauf – was treibt Jugendliche in die Gewalt?“ drehte.
Im Vorfeld wurde diese Sendung bereits krisitiert, denn bei den fünf Gesprächsteilnehmern befand sich NIEMAND, der eine beführwortende Position einnahm. Wo waren die Redakteure von GameStar oder PC Games? Wo waren die Fachleute der Spieler? Nach der Sendung muss ich nun sagen, dass es vermutlich durchaus so gewollt war. Es gab kaum Diskussion, aber viele Videoeinspieler, welche „informierten“. Der Tiefpunkt dieser Videoschnipsel war die Vorstellung von Counterstrike und GTA: San Andreas. Die Zuschauer wurden nicht mit bewegten Bildern der Spiele belästigt, so dass sie sich selbst eine Meinung bilden mussten. Sie bekamen stattdessen eine Zusammenfassung der angeblichen Spielinhalte und der grafischen Gewaltdarstellung vorgelesen, welche geradezu absurd war! Alleine die Präsentationsform. Es soll über „Killerspiele“ berichtet werden und dann werden diese nicht mal gezeigt? Ist das nicht bereits eine Vorverurteilung? Bei Counterstrike war es nicht nur schlicht falsch, sondern bei beiden völlig die Spielinhalte verfälschend. Bei CS sind die Wände nicht mit Blut vollgespritzt und man läuft nicht ballernd mit dem Maschinengewehr durch die Gänge und über die zerfetzten Leichen der Gegner. Und bei GTA zerteile ich keine Personen in kleine Teile mit einer Kettensäge und… ach, neben der falschen Darstellung des Spiels wird auch das gesamte SpielZIEL völlig ignoriert. Dann kamen die Reaktionen darauf… dann merkte man, dass die Schulministerin von NRW sich erst vor der Sendung mal mit dem Thema beschäftigt hat. Und das sie keine Ahnung hat. Prof. Pfeiffer lässt nur seine bekannten Sprüche und Zahlen ab und er erzählt von seinem Sohn in Neuseeland. Dann kommt der nächste Einspieler und es werden nur Politiker genannt, die strengere Gesetze und Verbote fordern, darunter auch die absolut blödsinnige Forderung von Beckstein, Killerspiele wie Kinderpornos zu bestrafen. Anstatt darüber mal zu diskutieren und zu sagen, dass man sowas nicht auf eine Stufe stellen kann, wird ein Videoeinspieler gebracht, der die verfassungswidrigen Forderungen des Uwe Schünemann (Zensur verstaatlichen) als prophetisch (macht das, sonst passiert Erfurt erneut) dargestellt werden. Immerhin ist man sich im Plenum einig, dass man „diese abartigen Spiele nicht braucht“. Applaus des Publikums. Ich beginne Notizen für diesen Artikel zu machen. Zum Glück, denn Pfeiffer bezeichnet die Prüfungskriterien der USK erneut als absurd und krank, weil die Spiele mit USK 16 nicht mehr von der BPJM indiziert werden dürfen… die BPJM muss dem Urteil der USK doch zustimmen… wo ist das Problem?
Was gibt es weiter? Der plusminus-Test wird recyled, in welcher Jugendliche Spiele kaufen, die nicht für sie freigegeben sind… aha! Also könnte man da ja mal ansetzen und vielleicht den Verkauf von solchen Spielen bestrafen, damit die Händler darauf achten. Nur so eine Idee, doch das Plenum hat bessere Ideen. Ganztagsschulen! Ganztagsschulen sind toll! Freizeit, eigener Willen und Medienkonsum sind böse. Hauptschüler haben sogar vier Stunden Medienkonsum pro Tag! Erklärt alles, nee?
Dann kommt die Spielerseite zu Wort! Per Mail wird vorgelesen, stichhaltige Inhalte gebracht, aber es gibt nur Ignoranz von Plenum! Nach 36 Minuten (!) kommt dann mal ein Spieleredakteur von 1LIVE zu Wort. Im Hintergrund läuft GTA und CS. Was ist aus dem Verzicht auf blutige Bilder geworden? Wieso war der Redakteur von 1LIVE nicht Teil der Diskussion? Wieso können die Leute des Plenums seine aufgezeichneten Aussagen zerpflücken oder ignorieren, anstatt das er Gelegenheit hat, sich zu verteidigen? Absicht? Das Plenum stellt wieder fest, dass Killerspiele keine richtige Spiele sind. Es kommt die Forderung auf, dass Eltern mit ihren Kindern Mühle spielen sollten. Wenn Kinder Killerspiele spielen, dann haben die Eltern versagt. So einfach war es. Das Problem ist doch eher, dass die Eltern nicht mit den Kindern spielen. Da ist es doch egal, ob es Mühle oder Counterstrike ist. Sowieso ist es besser durch den Wald zu laufen und zu spielen, so wie die Schulministerin es damals gemacht hat. Dann könnte man das ja mit diesen Spielen verbinden. Will die Schulministerin von NRW LARP und Gotcha? Aber es geht weiter… Pfeiffer berichtet von „kranken Existenzen“, Leuten die 5 Stunden pro Tag World of Warcraft mit anderen Menschen spielen. Joah, gemeinsames Spielen mit anderen, taktisches Vorgehen, Entscheidungsfindungsprozesse und Gruppenstrukturen. Klingt wie der Traum eines Sozialarbeites. So kann WoW auch sein. Aber die positiven Seiten erwähnen wir mal lieber nicht, sonst bricht uns die argumentative Grundlage weg. Achja… und Männer lieben Gewalt und brauchen sie. Frauen haben Angst vor Gewalt und fliehen davor. Egal ob reale, gespielte oder simulierte. Deswegen fordert das Plenum auch Schulen, in denen die Jungs ihre Agressionen abbauen können, anstatt dies in Killerspielen zu tun. Sehe ich das richtig? Man soll sich lieber bei Rugby anderern die Knochen brechen, als bei CS einem virtuellen Terroristen einen Kopfschuss zu verpassen. Mhm… wirklich ein Generationenkonflikt. Ich verstehe sie nicht, sie uns nicht.
Nach einer 3/4-Stunde kommen dann Kommentare aus dem Internet zur laufenden Sendung. Ein 50jähriger findet die Spiele abartig. Eine 38jährige Frau hatte damals nicht so viele Medien zur Verfügung, dafür aber Freunde… und war trotzdem glücklich. Ein 23jähriger gibt an, dass er seit den Zeiten des C64ers Gewaltspiele spielt und heute Pazifist und Vegetarier sei und fragt, wie er nun ins Schema passt. Dann kommen noch allgemeine Kommentare über die mangelnde Beziehung zwischen Eltern und Kindern, sowie das Verdammen der Hexenjagd nach Computerspielen und schlußendlich die Frage, wieso über Computerspiele diskutiert wird und nicht, wieso ein 18jähriger im Besitz von Schußwaffen war. Interessante Punkte eigentlich, aber bevor wir anfangen zu diskutieren, lieber noch mal ein kleines Filmchen. Ein Bericht über Erfurt, vier Jahre nach dem Amoklauf von Robert Steinhäuser. Was will mir der Bericht sagen, außer betroffen machen und im Kontext der angeblichen Diskussion gegen diese Spiele aufhetzen?
Dann wird ein junger, türkstämmiger Mann im Anzug „präsentiert“. Er wurde durch das Anti-Agressionstraining des Dr. Heilemann aus dem Plenum zu einen richtigen Menschen gemacht, produktiv in die Gesellschaft integriert. Damals war er sehr gewaltbereit, hat aber nach eigener Aussage nie am PC oder an der Konsole gezockt, was Herrn Pfeiffer einen undefinierbaren Laut aus dem Off entlockt. Dafür darf er danach dieses Friedenstraining als nicht funktionierend erklären, was er natürlich bereits vor Jahren an seinem Institut wissenschaftlich bewiesen hat.
Nächstes Thema, hier wird nichts zu Ende diskutiert. Der Amokläufer hat Hilfesignale ausgesendet und keiner hat darauf reagiert. Zitate von ihm aus dem Internet werden vorgelesen und zeichnen das Bild eines sehr einsamen und frustrierten Menschen. Was ist die logische Frage? Ist das Internet an sich eine Gefahr? Pfeiffer: Ja, klar! Ich musste so lachen, weil die „Diskussion“ zu diesem Zeitpunkt so realitätsfern und unlogisch war. Herr Pfeiffer ist sich sicher, dass er Hilfe gefunden hätte, hätte er sich nur an einen echten Menschen gewand, anstatt an die virtuellen im Internet. Ne, ist klar. Echte Menschen sind alle nett und hilfsbereit und Menschen im Internet sind alle Asoziale? Aber es gibt eine Lösung für alle Probleme: Ganztagsschulen! Schon wieder… immerhin erfahren wir, dass der anwesende Lehrer heimlich an dem PC seines Sohnes rumgeschnüffelt hat um dort die Inhalte zu kontrollieren. Er hat angeblich nichts gefunden, was ihm nicht gefallen hätte, doch wenn, dann hätte er das sofort gelöscht. Moment… ist das nicht einer der Typen die eben noch die Kommunikation zwischen… ach, egal. Man hat sich schon lange von allem was logisch erscheint verabschiedet. Der… extrem seltsame Dr. Heilmann redet immer wieder laut, schnell und lang daüber, dass Kinder alle phsyisch stark sein müssen, um starke, extrovertierte Persönlichkeiten zu werden. Und sie müssen sanft sein. Die Schulministerin von NRW (CDU übrigens) wirkt die ganze Zeit so, als wäre sie mit allen Themen überfordert. Pfeiffer rasselt Studien von sich selbst runter oder erzählt vom Wunderland Neuseeland, wo sein Sohn hin geflohen ist, hingeschickt wurde, momentan weilt. Josef Bausch-Bölterhoff, Gefängnisarzt und Tatort-Darsteller wirkt ebenso deplatziert wie während der gesamten Diskussion und der Moderator unterbricht jede aufkeimende Diskussion, damit er einen weiteren Videobeitrag starten kann.
Der Abschluss war aber auch herrlich. Die Abschlussfrage war: „Würden Sie einen internetfreien Tag begrüßen?“ Von themenverbundenen Fragen habe ich mich eh schon verabschiedet und warte auf die Antworten. Der Lehrer findet das gut, er würde im Garten arbeiten. Der irre Heilmann benutzt das Netz nicht, was man eh nicht sollte und treibt Sport. Pfeiffer sagt einfach ja, Jo Bausch würde das mit einem Rauchfreien Tag verknüpfen und hat da nix gegen und unsere Schulministerin würde Freunden schreiben, weil sie noch schreiben kann. Ein erschreckender Rundumschlag durch eine Generation von Leuten, welche die Möglichkeiten des Internets weder kennen noch nutzen. Wie soll man mit denen eine Diskussion über Jugendkultur führen? Dort war niemand unter 40, der Altersdurchschnitt lag vermutlich um die 50. Entschuldigung, aber das ist einfach nur arm, solch eine Gruppe zusammenzustellen und dann über Jugendkultur zu reden. Besonders in einer Sendung, die sich Hart aber fair! nennt.
Verbale Amokläufe nach Amoklauf in Schule
Als ich Montag mittag meinen PC einschaltete und mich auf der Homepage der Tagesschau über die Ereignisse der vergangenen Stunden zu informieren, da sprang mir die aktuelle Topmeldung ins Auge: „Amoklauf in Realschule“. Mein erster, wirklich allererster Gedanke zum Thema war: „Scheiße, da werden wieder Videospiele die Schuld für zugeschoben bekommen.“ Einige werden mich zynisch nennen, andere geben mir vielleicht einfach Recht, denn nicht einmal sechs Stunden nach dem Tod des Amokläufers, sprachen sich bereits die ersten Politiker für Verboten von „Killerspielen“ aus.
Dabei wurde derartig viel Unfug, Falsches und schlicht Blödsinniges verbreitet, dass ich am liebsten auswandern würde. Bevor ich jetzt hier die zwei dutzend Politikermeinungen voller Fehler und das Grundgesetzt verletzenden Forderungen einzeln zitiere, picke ich einfach mal ein paar aktuelle raus und kommentiere sie.
Nehmen wir z.B. diesen Artikel der Netzzeitung. Der ist gerade mal zwanzig Minuten alt, wenn ich das hier tippe. Dort äußert sich Wolfgang Speck, der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft. Das Interview ist direkt auch verlinkt, doch dieser Artikel ist einfach viel besser für das geeignet, was ich vorhabe, da er nicht nur die idiotischen Äußerungen dieses Herrn enthält, sondern auch noch einige falsche Fakten.
In der Debatte um ein Verbot so genannter Killerspiele hat sich der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Wolfgang Speck, für eine Blockierung verbotener Online-Inhalte ausgesprochen. «Im Internet müssen wir durch Sperren sicherstellen, dass verbotene Spiele nicht mehr heruntergeladen oder gespielt werden können», sagte Speck der Netzeitung.
Saubere Idee. Endlich staatliche Zensur im Internet. Das mit der freien Verfügbarkeit von Informationen und dem Äußern der eigenen Meinung ist eh überbewertet. Aber sowas ist eh nur der erste Schritt. Die logische Konsequenz wäre es doch, auch dieses Blog hier zu verbieten, weil ich die Maßnahmen zum „Jugendschutz“ kritisiere.
Zudem forderte er wirksame Strafen für Anbieter und Verbreiter Gewalt verherrlichender Spiele. «Hersteller und Händler müssen spüren, dass es ihnen nicht mehr so leicht gemacht wird wie bisher.» Die Diskussion dürfe «jetzt nicht verebben», so Speck. Erforderlich sei «eine Verbotsliste der Produkte, die nicht mehr so einfach über die Ladentheke gehen dürfen».
Gute Idee. Ich sehe es vor meinem inneren Auge wie Cevat, Avni und Faruk Yerli, die Gründer von Crytek, die mit Far Cry einen weltweit erfolgreichen Shooter in Deutschland entwickelt haben, in Ketten abgeführt werden. Und seit wann wird es Herstellern und Händlern leicht gemacht? Die Jugendschutzbestimmungen in Deutschland verstoßen gegen EU-Recht, weil sie den freien Warenverkehr verhindern. Hersteller müssen Spiele für hohe Kosten an den deutschen Markt anpassen, Spielemente entfernen oder entfremden, damit sie überhaupt erst erscheinen dürfen. Selbst Spiele die ab 18 freigegeben sind, sind oftmals hier zensiert und verfremdet. Das oben erwähnte Far Cry erschien in Deutschland nur stark zensiert, obwohl es ein deutsches Spiel war. Übrigens erst, nachdem die erste zensierte Fassung auf den Index gesetzt wurde. Der Rest der Welt durfte die völlig unzensierte Fassung spielen. Und „Verbotsliste der Produkte, die nicht mehr so einfach über die Ladentheke gehen dürfen“ gibt es schon. Die heißt Index.
Seitdem am Montag im nordrhein-westfälischen Emsdetten ein 18-Jähriger in der Realschule der Stadt um sich schoss und mehrere Schüler und Schulmitarbeiter verletzte, streiten Politik, Experten und Sicherheitskräfte über die Wirkung Gewalt verherrlichender Computer- und Konsolenspiele. Der Schütze war leidenschaftlicher Anhänger von Killerspielen. Er stellte sie sogar auf abgeschiedenem Gelände mit Freunden nach, und veröffentlichte Szenen davon im Internet. In dem frei gestaltbaren Online-Spiel «Counterstrike» programmierte er sogar eine Szene mit dem Emsdettener Schulgebäude.
Meine Güte! Er hatte als Hobby Videospiele mit gewalttätigem Inhalt! Und das als wahlberechtigter, volljähriger Bürger der Bundesrepublik Deutschland. Und nicht nur, dass er diese ominösen „Killerspiele“ spielte, nein er spielte sogar Szenen daraus nach. Und um die Perversion abzurunden, stellte er diese Szenen sogar ins Internet. Wow… ich meine. Ein Räuber und Gendarme-Spiel wie Counterstrike nachspielen und das aufnehmen, das ist… kein Problem? Aber er tat es auf einem „abgeschiedenen Gelände“. Wow, klingt verboten und heimlich, der muss bekloppt sein. Aber es wird noch schöner… Was ist ein „frei gestaltbares Online-Spiel“? Vermutlich meinen sie, dass man auch selbstständig Maps / Level für CS erstellen kann. Das ist korrekt und ja, CS wird AUCH Online gespielt. Aber nicht ausschließlich. Man „programmiert“ keine „Szenen“, da ein Computerspiel interaktiv ist und nicht wie eine Szene abläuft. Man erstellt eine Map, auf der man CS spielen und die Spieler sich frei bewegen können. Und Sebastian B. hat keine Map seiner Schule erstellt. Das hatte Spiegel Online berichtet, mit dem Hinweis, dass dies noch nicht bestätigt sei. In der Folge wurde es abgeschrieben und als Fakt verkauft. Es gibt eine Map einer Geschwister Scholl-Schule, die wurde allerdings vor sechs Jahren von jemanden mit dem Nick Schlossherr erstellt. Und sie ist nicht die GSS in Emsdetten, sondern die von Melsungen, südlich von Kassel. Und selbst wenn er eine erstellt hätte… er ging jahrelang auf diese Schule, kannte vermutlich jeden Winkel. Wieso sollte er durch ein leeres CS-Level diesen Amoklauf geplant haben?
Speck sieht die Psyche Jugendlicher durch die Bildschirmgefechte schwer beeinträchtigt. «Diese Spiele verändern den Bezug Jugendlicher zur Realität grundlegend, ihre Realität wird die Videowelt.» Sie steigerten sich in eine «Scheinwelt» hinein und glaubten, dass diese Spiele das eigentliche Leben zeigten. «Das ist gefährlich, denn daraus kann man sie nur schwer wieder zurückholen», warnte Speck.
Wow… also das ist wirklich das krasseste Pauschalurteil, das ich seit langem gelesen habe. Das muss ich nicht weiter kommentieren, das ist einfach unglaublicher Unsinn.
Der Gewerkschaftschef plädiert für wirksamere Maßnahmen. «Wir brauchen ein Strafmaß ähnlich dessen der Kinderpornografie, auf jeden Fall so hoch, dass keiner glauben kann, er werde sowieso nicht erwischt.» Parallel zum Verbot Gewalt verherrlichender Spiele müssten Eltern und Schulen den Kontakt zu den Kinder und Jugendlichen verbessern. Die Kinder seien zu oft sich selbst überlassen, die Medienkompetenz der Eltern gering. «Viele Eltern wissen gar nicht, was Sohn oder Tochter am Computer so treiben».
Ja, das haben wir gebraucht! Ich werde als erwachsener Gamer bisher eh nicht genug kriminalisiert. Ich muss Spiele für Erwachsene „unter der Ladentheke“, in „Fachgeschäften“ kaufen, oder gar per Grauimport aus dem Ausland kommen lassen. Aber das reicht nicht. Wenn ich ein Spiel spielen will, welches ab 18 freigegeben ist und weltweit Preise gewinnt und von zig Millionen Gamern begeistert gespielt wird, dann bin in Deutschland auf einer Stufe mit einem Nutzer von Kinderpornographie? Geht’s noch? Das ist eine unglaubliche Unverschämtheit, die Kriminalisierung eines ganzen Hobbys und eine Beleidigung für jeden mündigen Spieler! Das eigentliche Problem hinter dem ganzen Amoklauf, nämlich die soziale Kompetenz des Umfelds von Sebastian B., welche einfach versagt hat. Aber bevor man die Eltern mal wirklich auffordert nach ihren Kindern zu sehen und mit ihnen zu reden verbieten wir lieber eine ganze Branche. Bravo, du Spacko!
Auch entwickle sich das Wesen der Kinder und Jugendlichen, unbemerkt von den Eltern, in eine gefährliche Richtung. «Sie wissen nicht, wie sich ihr Kind von Woche zu Woche verändert und sich schließlich ein Ventil öffnet wie in Emsdetten.» Eltern und Schulen dürften sich nicht allein gelassen fühlen. Wir müssen Kindern und Jugendliche Alternativen bei der Freizeitgestaltung bieten.
Da haben wir ein ganz entschiedenes Problem mit den Leuten, die sich momentan so gegen Videospiele aussprechen. Sie haben Angst vor der jungen Generation, sie verstehen sie nicht. Sie verstehen einfach nicht, dass Videospiele und das gemeinsame Zocken im Internet durchaus eine Form der Sozialisation sind. Sebastian B. ist nicht Amok gelaufen weil er CS spielte, Videofilme drehte und bei youtube veröffentlichte (damit wären auch alle Teilnehmer des Shadowrun-Fanfim-Wettbewerbs potentielle Amokläufer) oder weil er Metal hörte, ja nicht einmal weil er immer schwarz gekleidet war… wer den Abschiedsbrief des jungen Mannes gelesen hat, der sieht, dass es niemanden gab, der für ihn da war. Er war missverstanden und frustriert, wollte sich nicht der Gesellschaft beugen die er verabscheute. Wer Mitschülerinnen zu verstehen gibt, dass „ihr Modepüppchen als erste dran seid“ oder auf seiner Homepage schreibt „Ich verabscheue Menschen“ (Link), der hat Probleme. Leider wurden diese Probleme nicht beachtet, was auch Schuld des Schulsystems ist. Ich habe nach dem Amoklauf überhaupt erst erfahren, dass Deutschland Schulpsychologen hat! Kein Wunder, kommen in der BRD doch 16.000 Schüler auf einen dieser Helfer. Selbst Russland hat ein Verhältnis von 1:500, die USA eines von 1:1000. Das ärgert nicht nur den Verband deutscher Psychologen, sondern ist auch eine Erklärung für PISA…
Wie unfähig einige Politiker im Bezug zu diesem Thema sind, zeigen z.B. die Äußerungen der bayerische Familienministerin Christa Stewens (CSU) zum Thema Killerspiele. Sie forderte Computerspiele wie „Gotcha“, „Paintball“ und „Laserdrome“ auf den Index zu setzen. Sehr bezeichnend, oder? Leider sind Gotcha, Paintball und Laserdrome Spiele die komplett ohne PC auskommen. Oder nehmen wir Uwe Schüneman (CDU), den Innenminister von Niedersachsen, der die USK abschaffen will, weil sie nicht effektiv wäre. Naja, außer das wir damit ein quasi einzigartiges System der Kennzeichnung haben das funktioniert, nein damit umgeht man Probleme mit dem Grundgesetz. Dem Staat ist laut §5 nämlich die Zensur verboten, deswegen braucht er die privatwirtschaftliche USK, um Spieleinhalte so zu zerschneiden, wie es ihm gefällt. Die Prüfer der USK werden vom Staat berufen und die entscheidene Stimme hat ebenfalls ein Vertreter des Staates. Diese Umgehung des Zensurparaphen ist Herrn Schünemann aber nicht genug, er sagt: „Hier muss es ein völlig neues Überprüfungsgremium geben, das allein in staatlicher Hand liegt.“ Naja, das Grundgesetz wird eh überbewertet… aber Herrn Schünemann scheint eh einen persönlichen Streit mit der USK zu haben. Er kritisierte nämlich bereits im Vorfeld des Amoklaufs die USK und nannte dabei einige sehr… fantasievolle Zahlen, welche die USK zu dieser Mitteilung bewog. Aber bei der CDU/CSU nimmt man es mit intelligenten Äußerungen Fakten eh nicht so genau, wie der Apostel des Populismus bayrische Innenminister Günther Beckstein, dem wir den Begriff „Killerspiel“ überhaupt verdanken. Was hier nachzulesen ist, ist schier unglaublich. „Mir macht niemand weis, dass Killerspiele ungefährlich sind“ hat der Herr Beckstein gesagt. Ich übersetze das mit „Meine Meinung steht fest, bitte verwirren sie mich nicht mit ihren Argumenten!“. Was der Stroiber dazu gesagt, spare ich mir jetzt mal komplett. Ich empfehle aber mal einen Besuch auf seiner Homepage. Sein Wahlspruch „Handeln statt Reden.“ ist wahre Realsatire.
Das ist nur ein Bruchteil der aktuellen Mitteilungen. Es gibt durchaus auch kritische Stimmen zu diesem Unsinn, etwa diese Videointerview im ARD-Nachtmagazin. Oder einmal der Rundumschlag gegen den Populismus hier. Diese Vorwürfe lässt sich die Branche nicht mehr gefallen, hier die Stellungnahme des Bundesverbandes der Entwickler von Computerspielen – G.A.M.E. e.V. .
Damit schließe ich vorerst einmal und habe eine Bitte an euch: Glaubt nicht jeden Scheiß, der euch erzählt wird. Denken tut nicht so weh, wie es euch erzählt wurde. Da draußen gibt es viel mehr Meinungen als Fakten. Und viele der Meinungen sind nicht durch Fakten gedeckt und nicht begründbar, sondern einfach durch soziales Umfeld zu erklären, etwas die konservative und weltfremden Forderungen der bayrischen Politiker.
Was denkt ihr dazu?
P.S.: Achja… der zweite Toptitel für die Xbox 360 nach Dead Rising wird nicht in Deutschland erscheinen. Gears of War, eines der am besten gewerteten Spiele der letzten Jahre hat von der USK kein Prüfsiegel erhalten und Microsoft wird es in Deutschland gar nicht erst veröffentlichen. Jugendschutz… ihr erinnert euch. Der nicht funktioniert…
Seltsames von Shadowrun
Sehr Seltsames höre und lese ich über Shadowrun die Tage…
da ist z.B. der Podcast der PulpGamer, der Rob Boyle im Gespräch hat, den Line Developer von Shadowrun. Er sitzt alleine im Amerika in einem Büro, ist nachtaktiv und teilt sich die Stunden selbst ein, wann er an einem Buch arbeitet. Er hat scheinbar eine Liste mit Büchern die in der nächsten Zeit erscheinen sollen und da kann er was zu tun. Die Verbindung von Earthdawn und Shadowrun ist trotz anderslauternder Berichte von Fanpro wohl niemals zu Ende. Amerikaner machen gerne Witze über Deutsche, wie „Ver’ner“, den „teutonic overlord“ Rob Boyles. Gemeint ist natürlich Werner Fuchs, der Verlagsleiter von Fanpro. Klingt trotzdem seltsam für mich. Achja… Vampire 1st Edition beruht regeltechnisch scheinbar auf der ersten Shadowrun Edition, deswegen ist es auch legitim, wenn Shadowrun 4 regeltechnisch auf der neuen World of Darkness beruht. Alles klar?
Was ist sonst noch seltsam? Die Äußerungen des Shadowrun-Chefredakteurs im offiziellen Fanpro-Newsletter zum Beispiel! Für alle die es verpasst haben, hier der Fullquote seines Beitrags aus dem Newsletter vom 02.11.06. Die relevanten Informationen des Zitats habe ich fett markiert.
Hallo zusammen!
Herzlich willkommen in meiner Herbst-Depression. Es ist kalt, es ist nieselig, und ich würde am liebsten die nächsten sechs Monate unter der Bettdecke verbringen. Naja, einmal zwischendurch kurz aus der Höhle hervorkriechen, um Weihnachtsgeschenke abzustauben … Wann wird’s endlich wieder heller, wärmer, sonniger? Wann ist endlich wieder Sommer?
Tja, liebe Leser, meine Stimmung wird sobald wohl nicht besser, da müssen Sie jetzt aber durch, wenn Sie an den allerneuesten Shadowrun-Informationen interessiert sind (ich glaube, es ist gar nicht öffentlich bekannt, dass ich hier im Newsletter zur Verwendung des „Sie“ gezwungen werde, oder?). Keine Sorge, es wird noch schlimmer.
Genau, da war doch diese Spielmesse in Essen. Ich weiß nicht, ob Sie da gewesen sind. Ich war jedenfalls da. Und Sie werden lachen – es hat sogar Spaß gemacht. Aber wer auf jeden Fall nicht da war, war der Shadowrun-Nachwuchs. Ich gehöre jetzt nicht unbedingt zu den stärksten Befürwortern eines hohen Kniebeißer-Anteils am FanPro-Stand – diese Kids können ja auch ganz schön nervig sein – aber wenn man bedenkt, dass ich am Shadowrun-Infopoint KEIN EINZIGES MAL mit einer Person unter 18 Jahren gesprochen habe (rein äußerlich beurteilt, ich hab mir nicht die Ausweise zeigen lassen), dann gibt einem das schon zu denken. Mittlerweile bin ich mir nicht mal mehr sicher, ob das Siezen nicht vielleicht sogar angebracht ist Und wenn eine gewisse offizielle Person behauptet, die Spielmesse wäre insgesamt sehr gut besucht gewesen, dann hat sie die Zeit während der Messe wahrscheinlich woanders verbracht – wahrscheinlich in der Südsee, nach dem Aussehen zu urteilen.
Sorry. Die Herbst-Depression ist erst vorbei, wenn der Herbst vorbei ist. Also, Leute – Jungs, Mädels (man möge mir die saloppe Ausdrucksweise verzeihen), tut mir bitte einen Gefallen und führt eure jüngeren Geschwister, Neffen, Nichten, Kinder, Enkel (?) in das Shadowrun-Univerum ein. Und zwar nicht auf die handzahme Weise, sondern AUTORITÄR („Was?!? Du willst kein Shadowrun spielen? Ab auf dein Zimmer, zwei Tage Hausarrest!“), sonst bringt das eh nichts. Wenn wir nämlich nicht zu so drastischen Mitteln greifen, dann steigt der Shadowrunner-Altersdurchschnitt jedes Jahr um ein Jahr, und irgendwann treffen wir uns dann alle im Altersheim wieder, um zwischen unseren Papp-Brei-Mahlzeiten den guten alten Zeiten zu gedenken, als „wow“ noch ein Ausruf des Entzückens war.
Dabei gibt es jetzt sogar einen völlig neuen Anreiz, in das Shadowrun-Rollenspiel einzusteigen: Eine Fremdsprache zu erlernen! Das Grundregelwerk für Shadowrun-4 gibt es nun nämlich auch auf Französisch, und die nächsten beiden Titel sollen dort noch in diesem Jahr an den Start gehen. Das japanische Shadowrun folgt im nächsten Sommer („Sommer? Wer hat gerade Sommer gesagt?!? Argh …“), wie ich ja schon mal erwähnt habe. Das ist mal eine echt interessante Sprache für einen Shadowrunner. Ich hab irgendwo gelesen, dass Shadowrun auf dem angeblich veralteten Cyberpunk-Klischee von der finanziellen Allmacht Japans aufbaut. Weit gefehlt – im Shadowrun-Universum sind die Vereinigten Staaten, die Europäische Union und das aufstrebende China in viele kleine Teile zerfetzt und von der Bildfläche gefegt worden, wie wir uns erinnern, und wer bleibt da wohl als einzige Wirtschaftsmacht übrig? Bingo! Ich bin jedenfalls froh, dass ich schon vor über zwei Jahren mit dem „Japanisch-Studium“ begonnen habe, das gibt mir einen kleinen Startvorteil.
Und nun möchte ich allmählich zu den richtigen, verwertbaren Informationen kommen … Das Straßenmagie-Ergänzungsbuch ist inzwischen erschienen und Sie haben es sich gekauft. Seien Sie ruhig ehrlich! Es zu verleugnen hilft uns nicht weiter. Wer will schon auf das magische Ergänzungsregelwerk verzichten? Ich jedenfalls nicht. Leider war es das dann aber auch schon für dieses Jahr. Das SOX-Buch erscheint Januar/Februar 2007, das deutsche „Emergence“ Februar/März 2007 und das „Arsenal“ (Waffen! Fahrzeuge! Upgrades!) im März/April des nächsten Jahres. Und dann … die Meisten werden schon ahnen, was jetzt kommt … ist es auch endlich wieder Sommer („Ja!“) und die Shadowrun-Beiträge für den Newsletter nehmen wieder einen sonnigeren Touch an.
Yakusoku desu.
-Christian
(AKA Herr Schuh, Schwarzmagier und -seher)
Okay, nennt mich… sonstwie, aber dieser Text ist doch nur eine seltsame Mischung aus wirren Meinungen und uninteressantem BlaBla, oder? Das Geschreibei des Chefredakteurs fällt bereits so auf, das sich ein Rebell aus den eigenen Reihen zu Wort meldet und Ursupation andeutet!
Ein letzter Ansatz zu DSA…
Noch ein Podcast mit Thomas Römer
Bevor ich zum eigentlichen Thema des Beitrags komme, will ich mich noch etwas zu der Lesung von Thomas Römer über DSA 4.1 äußern, die man bei Freizeitheld herunterladen kann. Okay, ein Podcast über die kommende Edition 4.1 ist nicht wirklich spannend, wenn DSA 4.1 bereits erschienen ist, aber das will ich nicht weiter vertiefen… ich musste mir den Podcast wieder zwei mal anhören um wichtigen Punkte herauszuarbeiten. Das liegt zum einen an den vielen Störgeräuschen und zum anderen an der Thomas Römer-Rhetorik, der ich schlicht einfach nicht nebenbei folgen kann. Um die wichtigen Punkte herauszubekommen, muss ich mich konzentrieren wie in einer Vorlesung. Achja… wieso endet der Podcast eigentlich so abrupt? Aber mal zum Inhalt.
Spezialisierte Fernkämpfer machen so viel Schaden wie Nahkämpfer. Wenn Fernkampf so stark ist wie Nahkampf, wieso sollte ich mich dann in die Gefahr begeben, auf einen Feind zuzulaufen, wo dieser bereits mehrmals mit großem Schaden auf mich schießen könnte? Als Fernkämpfer der Gruppe stehe ich dann grinsend hinter den Reihen meiner dummen Fleischschilde (liebevoll auch Ritter genannt) und knalle deren Gegner weg. Mhm… eigentlich wird sogar gesagt, dass Fernwaffen noch gefährlicher als Nahkampfwaffen sind, weil sie wahrscheinlicher Wunden verursachen. Was mich zum nächsten Punkt bringt. Verwundete Charaktere sollen jetzt auch einfach einmal weglaufen und „Mooks“ sollen bereits nach der ersten Wunde „kampfunfähig sein“ und nicht mehr am Kampf teilnehmen. Wieso darf man sich hier diese cineastische Regel mit „tollen Helden und feigen Schurken-NSCs“ erlauben, wenn man auf der anderen Seite alle anderen Regeln „realistisch“ simuliert und Kämpfe gefährlicher gemacht werden sollen? Das ist doch ein Stilbruch, man macht das Kämpfen durch die neue Wundenregelung auf der einen Seite also schwieriger / unattraktiver / realistischer nur um es durch die „Mook“-Regel leichter / attraktriver / cineastischer zu machen Was will DSA hier?
Der interessante Aspekt ist nun, dass die „Mook“-Regel nicht im Basisbuch von DSA 4.1 zu finden ist. Es ist eine persönliche Option von Thomas Römer. Ebenso wie seine Antwort auf die sehr gute Anmerkung aus dem Plenum, „dass es nichts schlimmeres gibt, als das an einem Punkt klar ist, da sind 30 Goblins… und die sind eigentlich schon tot, als sie in den Kampf eingestiegen sind. Aber wir brauchen jetzt ungefähr eine Stunde bis das Fakt ist.“ Was ist die Lösung von Thomas Römer? Ignoriert die Regeln und macht das erzählerisch! Das ist doch ein Eingeständnis, dass die Regeln Mist sind, oder? Wenn selbst ein einfacher Kampf lange dauert, OBWOHL der Ausgang des Gefechts bereits im Vorfeld klar ist, dann soll man die GANZEN Regeln ignorieren und der SL beschreibt dann nach Gutdünken, was geschieht? Wieso dann überhaupt Regeln? Wieso trägt Thomas Römer das DSA 4.1-Schild vor sich her, wenn er die Regeln selbst so nicht anwendet? Wenn die Person, die man am ehsten mit DSA assoziert sich nicht einmal an elementare Regeln ihres eigenen Spiels hält, was sagt das über DSA aus? Nichts gutes denke ich.
Wieso wird DSA denn nun nicht modernisiert?
Aber mal zum eigentlichen Thema! Ich hatte kürzlich einen sehr interessanten Chat mit einem guten Freund, der nicht nur DSA-Fan ist, sondern auch zu den Fragestellern in dem obrigen Beitrag gehört. Wie zu erwarten, haben ihm die letzten Beiträge in meinem Blog nicht sonderlich gefallen. Als wir dies diskutierten, kam dabei etwas heraus, das vielleicht symtomatisch für die ganze DSA-Fan-Szene ist:
Er mochte DSA so wie es ist, weil es schon immer so war. Er spielt DSA so wie es ist, nicht weil er es für ein besonders gutes System hält, sondern aus Nostalgie.
DAS ist wohl der Grund, wieso Fanpro kein vernünftiges Regelsystem für DSA veröffentlicht, einfach weil die Fans es nicht annehmen würden. Sie sind mit DSA aufgewachsen und haben eine bestimmte Vorstellung davon. Änderungen sind falsch, nicht diskussionswürdig. Mutige Änderungen im deutschen Rollenspielmarkt haben zum Beispiel die neue World of Darkness getötet, ein bezeichnendes Bild würde ich sagen. Um meine These der Nostalgiespieler zu stützen oder zu widerlegen, habe ich mich etwas in den Foren von Vinsalt umgesehen. Ich verlinke jetzt keinen Thread im speziellen. Schaut in einen beliebigen Thread hinein. Ich sehe meine These alleine dadurch als gestärkt an. Auch als ich vor ein paar Monaten mit einem anderen DSA-Fan aus meinem Bekanntenkreis diskutierte und meine Kritikpunkte vorbrachte, stimmte er mir quasi überall zu. Als ich ihn dann fragte, wieso er dann noch DSA spielen würde, wusste er selbst keine Antwort darauf. Was schließe ich nun für mich da draus?
Diese These bedeutet für mich, dass man überhaupt nicht mit diesen Leuten zu diskutieren braucht. Wenn Emotionen und Nostalgiewert im Spiel sind, kommt man mit Argumenten nicht weiter. Also lasse ich DSA erstmal in Ruhe… nachdem ich mit diesem Artikel fertig bin…
Rekrutiert DSA Spieler?
Zieht DSA denn noch neue Spieler? Also zumindest werden quasi keine neuen Spieler durch einen Spontankauf im Spielwarenladen oder in der Buchhandlung rekrutiert, denn da stehen keine Rollenspiele mehr, von sehr wenigen Ausnahmen abgesehen. Und nun zum Rant…
Wie kommen neue Spieler zu DSA, so dass es sich als größtes deutsches System hält? Durch alte Spieler! Und die sind vollgesogen von dem Nostalgiewert und ziehen die Frischlinge mit ihrem System hoch. Einige dieser Frischlinge werden auch von ihrem „Meister“ totalitär bespielt und haben vielleicht Spaß daran, ohne jemals ein anderes System gekannt zu haben. Das ist sicherlich nicht nur bei DSA so, doch DSA gibt dem Spielleiter bis heute sehr viel Macht an die Hand. Alleine der Begriff Meister geht für mich überhaupt nicht. Der Begriff impliziert für mich, dass der Spielleiter hier alles mit den Spielern (und nicht nur den Charakteren) machen kann, was er will. Sind die Charaktere zu mächtig für das Abenteuer das man plant? Flupps verlieren sie alle Ausrüstung. Das habe ich so sogar bei einem Kaufabenteuer erlebt. Und sogar bei einem Soloabenteuer (Yaquirwellen war es, glaube ich…)! Ich habe es auf diversen Cons erlebt, das einige (seltsamerweise nur SpielerINNEN) bei der Demorunde Arcane Codex überhaupt nicht mit dem Würfelmechanismus klar kamen. Meist erntete ich von diesen Geschöpfen verwirrte Blicke und die Frage „Und wo soll ich jetzt drunter würfeln?“ und einen hilflosen Blick auf den Charakterbogen. Und das nicht nur einmal während der Runde sondern immer wieder! Dabei ist es nicht wirklich schwierig einen Wert abzulesen und den Wurf von zwei zehnseitigen Würfeln darauf zu addieren. ABER es ist ein anderer Regelmechanismus, als der, der ihnen in ihren DSA-Runden als der „richtige“ beigebracht wurde und es kostet erst einmal einiges an Überwindung, diese alten Konzepte abzulegen und etwas neues zu lernen.
Und nochmal deutlich: Ich kritisiere DSA 4.1 nicht, weil ich es für schlechter als DSA 4 halte. Das ist nicht der Fall, DSA 4.1 finde ich besser als DSA 4. Ich finde es aber noch immer nicht gut, das ist mein Problem. Aber DSA zu kritisieren ist ein Kampf gegen Windmühlen und ich bin nicht Don Quicote. Sollte mir das System noch mal eine Steilvorlage liefern, gibt es sicherlich wieder was zu meckern, doch bis dahin widme ich mich hier wieder anderen Themen. Empfehle zum Beispiel interessante Blogs zum Thema „Abenteuerrollenspiel“, wie der von Myrmidon.
Wie man ein Abenteuer verfasst – Teil 2
Inzwischen sind auch die letzten drei Artikel der Reihe von Wolfgang Baur bei den Küstenmagiern erschienen. Dabei hat sich der letzte enorm viel Zeit genommen und erschien einige Wochen nach dem fünften, was die lange Verzögerung für diesen Eintrag hier erklärt. Den Verweis auf die ersten drei Artikel findet ihr in meinem Blog hier.
Der vierte Artikel richtet sich an die sinnvolle Verteilung von Schätzen, bzw. Belohnungen. Spieler sollten immer wieder Belohnungen erhalten, wenn sie einen Konflikt oder eine Aufgabe gelöst haben, das motiviert ungemein.
Artikel Nummer fünf dreht sich um die sinnvolle Strukturierung des Plots und die Vorteile sowie Schwächen der linearen und Matrix-Methode.
Artikel 6 schließt die Reihe um das „Adventure Building“ mit Ratschlägen zur Verwendung der Umgebung, Fallen und anderen Gefahren ab, damit das Abenteuer unter Zuhilfenahme dieser Elemente interessanter gestaltet werden kann.