Killermusik!

15. Dezember 2006 at 01:51 (Allgemein, Politik, Sehen)

Willkommen Freunde!

Ich habe ja letztlich noch etwas zu Killerspielen geschrieben. Doch da ist noch längst nicht alles gesagt. Was momentan aber auch zu gehen scheint, ist die alte Kiste der Gewaltmusik. Hier gibt es mal wieder wissenschaftlich unhaltbare Behauptungen zum Verhältnis eines Mediums und der Gefährdung von Jugendlichen. Hier wird direkt zu Beginn fröhlich die Studie von Pfeiffer zitiert

„Beispielsweise wissen wir auch, daß Fernsehen – statistisch gesehen – „dick, dumm und gewalttätig“ macht, obwohl das natürlich die meisten für sich persönlich abstreiten würden.“

und auch die höchst umstrittene These, dass Gewalttätigkeit genetisch bedingt ist

„Kriminalität beziehungsweise der Charakter, der dazu führt, ist etwa zu 50 Prozent in den Genen angelegt.“

So, jetzt könnte man natürlich bereits nach diesem ersten Absatz dem Menschen seine Kompetenz absprechen. Doch es lohnt sich weiterzulesen. Selbst „Mainstream-Pop ist aggressiv und deswegen Gewaltmusik“! Wer Abba hört, wird also brutal, wer Wagner hört nicht. Aber es geht weiter „Es wurde auch festgestellt, dass Jugendliche der HipHop-Szene überdurchschnittlich oft sogenannte „Risikojugendliche“ sind, die über ein hohes Aggressionspotenzial und über kriminelle Energie verfügen.“ Ah! Endlich, die Umdrehung von Ursache und Wirkung! HipHop entstand auf der Straße und bei sogenannten „Risikogruppen“, es ist die Musik dieser Schicht, die damit ihre Probleme zur Sprache bringt. Bei diesem Menschen, allerdings werden Leute durch die Musik in diese Gesellschaft gezogen. Oder um die Methodik zu verdeutlichen: Das ist also etwa so, als wenn man feststellen würde, dass besonders viele alte Menschen Schlager hören. Daraus würde nach der oben genannten Logik ja herauskommen, dass Schlager hören die Leute alt macht. Er hält zudem fest, dass „Klassikhörer in der Tat den geringsten „Deliquenz-Score“ haben, also seltener Straftaten begehen, und wenn doch, dann weniger schwerwiegende als Gewaltmusikhörer.“ Und wieder eine Feststellung ohne Zusammenhang. Klassik gilt als Musik der privilegierten Oberschicht. Wer zur Oberschicht gehört, hat alles was er braucht und wird selten beim Ladendiebstahl erwischt. Ich frage mich eh, wie diese Erkenntnis, dass Klassik-Hörer weniger Verbrechen begehen als solche die dies nicht tun, zustande kommt. Geht man in das nächste Gefängnis und fragt dort einmal herum, wer der anwesenden Klassik hört und wer nicht? Was ist, wenn bei der gleichen Untersuchung herauskommt, dass dunkelhaarige mehr Verbrechen begehen, als z.B. Leute mit hellen Haaren? Hieße dies dann, dass dunkelhaarige eher zu Verbrechen neigen und deswegen beobachtet werden sollten? Könnte vielleicht eher das soziale Umfeld und die private Situation des Deliquenten etwas mit der Straftat zu tun haben? Nein, so werden solche Studien nicht geführt… „Was ist mit den fast zweihundert Musikern, die an Drogen gestorben sind? Was ist mit den Ausschreitungen im Umfeld von Konzerten, die schon über 200 Tote und zehntausende Verletzte gefordert haben?“ Eines Tages wird sich jemand erheben, der solch eine Studie über Fussball erhebt und er wird die gleichen Dinge fordern. Und alle werden ihn verlachen, ihm drohen und ignorieren.

Es ist faszinierend zu sehen, wie lange sich so dämliche Ansichten wie die des Herrn oben halten. Es sind immer die gleichen Herangehensweisen, die gleichen Argumentationsstrukturen und der erhobene Zeigefinger. Es ist egal worum es sich handelt, Hauptsache es ist neu und die herrschende Generation versteht es nicht. Es war so bei Romanen. Es war so beim Kino. Es war und ist immer noch so bei gewissen Musikrichtungen, dem Fernsehen und aktuell den Videospielen. Aber irgendwann sind diese konservativen Verbotsforderer verstummt, die Mehrheit hat das neue Medium akzeptiert und es findet sich etwas neues, auf das sich der Zorn der unterbeschäftigten „geistigen Eliten“ richten kann.

Um die anhaltende Diskussion über Killermusik und die ewig gleichen Verbotsforderungen zu verdeutlichen, hier eine kleine Reportage von 1991. Nebenbei dient sie auch zur Erheiterung, denn die Leute sahen damals einfach scheiße aus. 😉

Teil 1 von 2:

Teil 2 von 2:

Kritik an Staat und Kirche, das kann man ja nicht dulden… *kopfschüttel*

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1 Kommentar

  1. robin said,

    1A+ Beitrag! =)

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