Interessante Zeiten I

18. April 2007 at 14:48 (Politik, Rollenspiel, Videogames)

Es ist eine Menge passiert, doch die Uni hält mich vom Bloggen ab… zumindest lohnt sich das Lernen, denn die Noten sind bisher gut. 😉

Samstag fahre ich auf den (die?) RPC und schaue mir mal die zahlreichen sehr interessanten Videospiele an, die dort präsentiert werden. Ob es auch für Pen & Paper-Rollenspieler interessant wird, werde ich ja dann auch sehen können. Feedback über den Con gibt es sicherlich hier im Blog.

So, mal sehen was sich so an Themen angesammelt hat…

Panorama und die Videospiele

Panorama hat nachgetreten und einen Bericht über die Suchtgefahren von Videospielen veröffentlicht. Nach dem Desaster, dass sie über Videospiele allgemein angerichtet hatten und das zahlreiche Feedback zum Thema, hätte man ja eine intelligentere Auseinandersetzung zu dem Thema erwarten können. Hätte man tun können… ja.

Aber schaut es euch an. Kein Unrechtsbewusstsein, sondern ein richtiger Schlag in die Fresse der Spieler. Alleine die Anmoderation macht klar, dass Panorama auf Krieg aus ist. Krieg mit zig Millionen Menschen, die Videospiele als Freizeitbeschäftigung ansehen. Nicht nur, dass sie ihre falschen Aussagen aus der letzten Sendung wiederholen, nein, diejenigen welche sich darüber beschwert haben, werden als Süchtige dargestellt, die Angst um ihre Droge haben.

Videospielsucht ist tatsächlich ein Problem und ein Thema, über das man sprechen und berichten sollte. Aber nicht so. Der Bericht macht wieder alles falsch. Die Gegenposition wird zwar diesmal eindeutiger und länger vertreten, doch wird wieder suggestiv geschnitten und der Mitarbeiter von EA als böser Spieledealer dargestellt, der Kindern ihre Spieldrogen vertickt. Dabei ist das Problem in dem Video ganz klar erkennbar: die Erziehungsberechtigten. Wieso werden nur Mütter gezeigt und befragt? Sind beide Alleinerziehend? Die erste Mutter ist hilflos und schwach, die zweite eine hysterische Zicke. Der erste Junge verhält sich wie der letzte Asoziale und die Mutter sanktioniert seine Aktionen nicht. Klar, wenn die Kinder nicht das tun, was die Eltern wollen, dann sind Videospiele schuld. Wo kein Henker, da kein Richter liebe Erziehungsperson. Wenn man merkt, dass man gegen die bestehenden Regeln verstoßen kann, ohne dass dies Konsequenzen hat, wieso zur Hölle sollte man sich dann auch an diese Regeln halten? Die zweite Mutter ist aber schlimmer. „Mein Sohn wurde ganz aggressiv als ich ihm die Tastatur weggenommen hatte.“ Ja, ich würde auch aggressiv werden, wenn mir jemand was stiehlt, anstelle über das Problem zu sprechen. Die Probleme liegen offensichtlich im Bereich der Erziehung und im Umgang mit em Medium. Wer bezahlt dem 15-jährigen denn den PC, die Internetkosten oder die Abogebühren von WoW? Oder um die alte Feststellung stehen zu lassen:

„Und als ich da neben meinem Kind stand und ihm zusah, wie er diese brutalen Spiele spielte… da konnte ich einfach nicht verstehen, wo das System versagt hatte.“

Amoklauf in Blackburg

Ein Amokläufer in den USA, 33 Tode. Neuer Rekord! Klingt unmenschlich? Wird aber so präsentiert. Jack Thompson, Anwalt, fanatischer Christ und erklärter Gegner der Videospiele weiß auch wieso das passiert ist. Er gibt die alte These der Desensibilisierung von sich, dass man sich erstmal mit GTA und Doom hineinsteigern muss und solche School Shootings auch damit trainieren kann. Auch weist er auf Robert Steinhäuser und seinen Amoklauf in Erfurt hin und dass Deutschland daraufhin die Videospielgesetze verschärft hat. Dass er dabei einfach Unsinn erzählt, fällt ja nicht auf, da er am Ende des Interview in Tränen ausbricht und von Gott faselt. Tja… noch nicht alle Leichen abtransportiert, aber bereits einen Schuldigen im Sichtfeld und die Agenda abgesteckt. Widerlich und dumm. Aber wir haben ja auch unsere deutschen Pappenheimer zum Thema. Ungewohnt scharfzüngig ist der Kurzbericht der Gamestar zum Thema ausgefallen, aber das mit Grund. Selbst zwei Tage nach dem Amoklauf gibt es quasi keine Informationen über den Täter, aber Herr Pfeiffer referiert schon wieder über die Gefährlichkeit des Mediums Computerspiel, noch bevor man überhaupt erfahren kann, ob der junge Mann überhaupt einen PC besaß. Das ist armselig, dumm und noch eine ganze Reihe von weiteren Adjektiven. Aber es passt zum Rest der Diskussion. Amokläufe zu planen ist nämlich Unsinn. Laut Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) versteht man unter Amok „eine willkürliche, anscheinend nicht provozierte Episode mörderischen oder erheblich (fremd-)zerstörerischen Verhaltens.“ Die weltweit entbrannte Diskussion über das Waffenrecht sieht Herr Pfeiffer hingegen gelassen, denn das deutsche Waffenrecht wäre gut.

Ulisses bringt die Dungeon Crawl Classics auf deutsch heraus!

Da Ulisses aber keine vernünftige Homepage haben, wurde dies nur relativ versteckt in ihrem Forum verkündet.

Moin, moin!

Wir werden ab ca. Mai damit beginnen, die in den USA sehr erfolgreichen Dungeon Crawl Classics D20 Module in deutscher Sprache rauszubringen.

Wir haben uns dazu entschlossen, da es z.Z. keine sinnvollen D&D 3.5 Einsteigerabenteuer in deutscher Sprache gibt. Das wollen wir ändern

DIe Abenteuer werden recht preiswert und richten sich an Einsteiger, die mit den großen komplexen Intrigenabenteuern noch nix anfangen können, sowie an alte Hasen, die mal wieder ein Abenteuer wie in den 80ern spielen wollen

Ist das mit Feder & Schwert abgeklärt? Steigen die ihnen nicht aufs Dach wegen irgendwelchen Übersetzungshoheitsrechten? Bekommt dadurch D&D 3.5 endlich mal etwas Wind in Deutschland? Und… kann man Ulisses überhaupt mit dieser Ankündigung vertrauen? Eine deutsche Version des D&D 3.5-Settings der Iron Kingdoms steht ja nun auch schon lange aus… obwohl sie die entsprechenden Tabletop-Bücher zu Warmachine und Hordes gut und pünktlich übersetzt haben…

Shadowrun-Videospiel

PC-Spieler können weiterhin umsonst gegen PC-Spieler zocken. Wenn sie gegen Xbox-360-Spieler antreten wollen, dann brauchen sie aber einen Gold-Mitgliedschaft bei Microsofts-Online-Plattform. Und es läuft nur auf Rechnern mit Windows-Vista, nutzt aber nicht die grafischen Möglichkeiten dieses Systems. Ich glaube das Spiel ist jetzt schon gescheitert, dabei erscheint es erst Ende Mai in den USA. Hier können wir aber weitere Hinweise zur Videospielzukunft von Shadowrun finden.

Gitelman bestätigte darüber hinaus, dass FASA Studio durchaus die Forderung der Fangemeinde nach einem Rollenspiel im Shadowrun-Universum vernommen habe. Die Verantwortlichen würden diese Option in naher Zukunft unter die Lupe nehmen – nichts ist unmöglich.

Ach, jetzt möchte man ein Rollenspielsetting für ein Rollenspiel benutzen, weil man in der Community den Hinweis aufgenommen habe, dass für so etwas eine Käuferbasis existiert? Es besteht also die Möglichkeit, dass vielleicht in absehbarer Zeit, die Verantwortlichen über ein Projekt in diese Richtung diskutieren könnten?

Das ist ja so vage wie die UN-Charta! Und selbst wenn es kommen sollte, was erwartet uns dann? Die verdrehte Zeitlinie aus dem fast fertigen Shadowrun-Spiel oder die richtige? Wird das ganze in dem tablierten Nordamerika spielen, oder in dem quasi völlig von Quellenbüchern unberührten Südamerika? Fragen über Fragen… und keine mögliche Antwort schmeckt so wirklich.

Innenpolitik

Aber eigentlich sind das alles unwichtige Kleinigkeiten, denn wir haben einen Innenminister, der denn Rechtsstaat aushebeln möchte. Wer Äußerungen trifft wie „Wäre es richtig zu sagen: Lieber lasse ich zehn Anschläge passieren, als dass ich jemanden, der vielleicht keinen Anschlag begehen will, daran zu hindern versuche?“, der macht sich zum Verfassungsfeind. In unserem System ist jeder so lange unschuldig, bis seine Schuld bewiesen wurde. Schäuble will das System umdrehen. Er nutzt die Angst vor Terrorismus und schürt ihn mit großem Engagment, um einen Überwachungsstaat zu schaffen, der 1984 weit hinter sich lässt. Das bei der zugehörige Umfrage auf der Homepage der Tagesschau zu den Vorhaben Schäubles immerhin 85% (zum Zeitpunkt dieses Postings hier) sich ganz klar gegen solche Ideen aussprechen ist zumindest etwas beruhigend… oder sollte es sein. Denn mehr als 300 Leute haben bereits angegeben, dass sie bereit sind Rechte aufzugeben, um „den Staat“ zu schützen. Wer „Die Maßnahmen sind richtig, wer nichts zu verbergen hat, braucht auch keine Angst zu haben. Terroristen müssen mit allen Mitteln bekämpft werden.“ ankreuzt, fordert eine Rückkehr der Stasi und der staatlichen Überwachung, ein System ständiger Kontrollen… wie dadurch die Bürgerrechte gestärkt werden sollen, ist mir ein Rätsel. Auch wenn Frau Zypries dies betont. *seufz* Demokratie bedeutet, dass alle Macht vom Volk ausgeht. Das sehe ich in der BRD nicht mehr.

Und dann war da noch…

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2 Kommentare

  1. Florian Hammer said,

    Bis zu dem YouTube-Ausschnitt fand ich den Blog nett, jetzt großartig

  2. Settembrini said,

    Der Moderator hat ja richtig Freude an den Masters-Sachen…

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