RPC 2007 – Erfahrungsbericht über die Role Play Convention

24. April 2007 at 16:21 (Con-Berichte, Rollenspiel, Tabletop, Videogames)

So… endlich mal Zeit mich zum RPC zu äußern. Ich war Samstag den ganzen Tag da und habe auch abends die Party mitgenommen… vor allem da unser Fahrer da hin wollte. 😉 Zu dem örtlichen LARP-Angebot äußere ich mich mal nicht, da ich davon nichst verstehe.

Aufbau

Erster Eindruck beim Betreten der Halle: Wow, das Teil ist groß… groß und dunkel. Aus Gründen der Atmosphäre hatten die Veranstalter beschlossen, die Beleuchtung sehr gedämpft zu halten. Und wenn man mit Ausstellern sprach, dann zeigten sie sich darüber weder informiert, noch erfreut. Beim Durchwandern der Halle fiel dann zunächst mal die Durchmischung von Händlern, Verlagen, LARPern, Videospielern und Rollenspielern auf. Eine bunte Mischung eben, ganz im Sinne der Veranstaltung. Die Navigation durch die Hallen war aber eine Katastrophe. Selbst am Abend konnte man noch Besucher treffen, die hilfesuchend durch Gänge wanderten und auf der Suche nach diesem oder jenem waren. Ich z.B. habe erst nach einiger Zeit das Schwarze Brett für die Rollenspielrunden gefunden, welches den ganzen Con über auch eher stiefmütterlich genutzt wurde. Der am schwierigsten zu findende Bereich war aber zu erreichen, indem man die Treppen neben diesem Schwarzen Brett nach oben stieg. Unten hing nur ein Flyer für ein Yu-Gi-Oh-Turnier, doch wenn man auf der oberen Etage durch eine Tür schritt und den Gang weiter nach hinten durchschritt, so fand man das DSA-LARP-Projekt samt aufgebauten Dungeon und eine beängstigend lange und vor allem leere Anreihung von Spieltischen, die niemand nutze. In der Halle des Mittelaltermarktes war die Beleuchtung nicht nur schlechter, sondern auch rot, so dass man kaum noch was erkennen konnte. Zudem ist die Atmosphäre auf einem Mittelaltermarkt in einer Halle wirklich nicht überzeugend. Richtig zerstört wurde die Atmo aber durch die dortige Bühne mit Projektorfläche für diverse Videospielveranstaltungen zu Guild Wars und Warcraft. Die dortigen Moderatoren verwendeten das bizarre Kauderwelch der Pro-Gamer, eine abstruse Mischung aus englischen und deutschen Begriffen, sowie einer Vielzahl an Abkürzungen. Beispiel? „Creep Kill im Loser Bracket!“… da flieht jeder, der nicht täglich Giga schaut. Als ob dies aber noch nicht reichen würde, fanden alle Lesungen und Seminare in der gleichen Halle statt. Am anderen Ende der Halle waren ein paar Reihen mit Stühlen aufgestellt, wo sich dann der aktuelle Seminarleiter mit einem Mikro gegen die Geräuschkulisse der Videospieler und die Lichtverhältnisse der Halle anstrengend konnte.

Tischrollenspiel

Hier sah es eher mau aus. Feder & Schwert waren mit einem ziemlich großen Stand vertreten und gaben einige Einführungsrunden für D&D und Warhammer. Gerade Warhammer war da wohl eine gute Wahl, denn so konnte man sicherlich den ein oder anderen Interessierten an Warhammer Online abgrasen, dem die Warteschlange für ein Testspiel zu lang war (die Schlange war wirklich den ganzen Samstag über gut gefüllt). Arcane Codex war auch mit einem Stand vertreten, allerdings ganz in der hinteren Ecke versteckt, direkt neben der Zeichnergalerie (Foto). Die Zeichner sind irgendwann aus Langweile abgehauen oder haben sich mit den AC-Leuten unterhalten, da sie einfach zu weit abseits vom Rest lagerten. Trotz der Lage zeigten sich die Verantwortlichen von NackterStahl Samstag abend hochzufrieden mit der Veranstaltung. Die Grundregelwerke waren insgesamt abends bis auf 20 oder so ausverkauft und mit der leicht überarbeiteten 2nd Edition kann man 2007 zur Spielmesse rechnen. Da ich selbst einige Zeit am Stand verbrachte, konnte ich mich von den Synergieeffekten der Con überzeugen. Einige Jugendliche, die wegen der Videospiele gekommen waren und Tischrollenspiele nur vom Hörensagen her kannten, zeigten sich sehr interessiert, und das nicht nur vom Konzept. Da sich einige der Interessierten auch zu einer kurzen Einführung ins Spiel überreden ließen, konnte man so sogar einige Neukunden heranziehen. AC braucht dafür aber noch ein passendes Kickstart-Set, oder eine vorbereitete 30-Minuten-Runde, wie sie die Indie-Spiele so hervorragend vorgemacht haben. Cthulhu und die Blutschwerter hatten so etwas ja auch mit der Aktion Abenteuer durchgeführt, wobei ich über deren Erfolg nicht unterrichtet bin. Die Mephisto samt Degenesis und ihre Hauszeichner Klaus Scherwinski und Tobias Mannewitz waren auch vor Ort, aber auch irgendwie versteckt und abseits. Pegasus waren auch flächenmäßig stark vertreten, nutze dies aber soweit ich das überblicken konnte, nur für Verkaufsstände und zig Tische für Kartenspiele.

Die dickste Neuheit auf dem RPC war aber die Quasi-Pleite von Fanpro. Werner Fuchs, der Geschäftsführer von Fanpro, hat den Rollenspielteil verkauft, wobei der F-Shop und die Romansparte aber bei ihm verbleiben. DSA geht zu Ulisses, welche bereits (zusammen mit Univeral Cards) den Vertrieb für Fanpro übernommen hatten und bereits auch Myranor weiterführen. Der Verbleib von Shadowrun und Battletech scheint dagegen momentan weit weniger klar zu sein, obwohl Ulisses auch das dt. SR-Team unter Vertrag genommen hat. Das erklärt ja auch, wieso Fanpro keinen Stand auf der RPC hatten und wieso Fanpro-Material am Ulisses Stand präsentiert wurde. Jetzt meine Frage… woher kommt all das Kapital von Ulisses, um seit letztem Jahr derartig viele Lizenzen zu kaufen und Produkte zu veröffentlichen? Was sagt das über die dt. Rollenspielszene aus, wenn ihr Flaggschiff DSA sich nicht mehr gut genug verkauft, um den Verlag am Leben zu erhalten? Wenn Fanpro durch SR und DSA quasi kurz vor dem Konkurs stand, was will Ulisses anders machen, damit es ihnen nicht mit den gleichen Lizenzen anders ergeht? Haben Ulisses den Kenntnisstand und die Manpower, um derartig viele Produkte gleichzeitig zu veröffentlichen? Wenn ich nach der Qualität und den Erscheinungsdaten der dt. Warmachine- und Hordes-Produkte gehe, dann kann man zuversichtlich sein… aber eine gewisse Sorge bleibt.

Table-Tops

Bei dem gemeinsamen Stand von Ulisses und Universal Cards konnte man sich AT-43, Confrontation, Anima – Beyond Fantasy, Warmachine und Hordes ansehen und ausprobieren. Dazu gab es dann noch einige große Turniere für Warhammer und Warhammer 40.000, allerdings war Games Workshop selbst mit keinem Stand vor Ort.

Videospiele

Zunächst zog es mich zum Stand von Warhammer Online, wo ich auf Seiten der Orks an einem PvP-Match gegen Zwerge antreten konnte. Zusammen mit meinen etwa 14-jährigen Mitspielern konnten wir die Zwerge ordentlich vermöbeln: Waaaaaaagh! 😉 Als Belohnung für das Testspiel erhielt jeder Mitspieler ein Schlüsselband und ein T-Shirt als Geschenk; da kann man wirklich nicht meckern. Die geteste Version hatte zwar noch den Stand einer Prä-Alpha, lief aber sehr flüssig und fast fehlerfrei. Einzig die Kollisionsabfrage funktionierte noch nicht überzeugend. Das Spiel wurde beim Kampf um die entscheidenden Flaggenpunkte sehr hektisch und unübersichtlich, da man nicht nur seine eigene Gruppe aus sechs Leuten koordinieren musste um zu gewinnen (Einzelgänger sind in dem Spiel zum Scheitern verurteilt), sondern auch die zahlreichen Spezialfähigkeiten des eigenen Charakters. Die einzelnen Klassen sind übrigens nach ihrer Funktion aufgebaut und nicht nach ihrem Hintergrundgeschichte. So hat jede Rasse einen Heiler, einen Tank, einen Damage-Dealer, etc., die Benennung der Klassen erfolgt dann nach dem passensten „Beruf“. So sind die Ork-Damage-Dealer die Kämpfer mit zwei Spaltaz und die Tanks die Schwarzorks. Bei den Zwergen wäre etwa der Tank der Eisenbrecher und der Heiler der Runenpriester. Die gespielte Version war fast komplett eingedeutscht und verwendet die offiziellen Begriffe der bisherigen dt. Übersetzungen. So konnte ich als Schwarzork Spezialfähigkeiten wie „In die Eier treten“ einsetzen, um meinen Feind kurzzeitig zu betäuben. Sehr atmosphärisch, vor allem durch die sehr stimmungsvolle Optik. Definitiv noch mal einen Blick wert. Des weiteren gab es noch Herr der Ringe-Online, was mich aber in zu vielen Punkten an WoW mit HdR-Lizenz erinnerte. Age of Conan sah dagegen fantastisch aus! Der „Kein Zutritt für Personen unter 18 Jahre“-Hinweis vor dem Stand war nicht unangebracht, denn das Spiel wartet nicht nur mit einer grandiosen, detailverliebten Grafik auf, sondern atmet auch eine unglaublich düstere und brutale Atmosphäre, was sich auch in den blutigen und frodernden Kämpfen niederschlägt. Des weiteren gab es noch einen Stand von onlinewelten.de, wo man sich auch Midgard Online ansehen konnte, das Rollenspiel für die bideren Rollenspieler jenseits der 40. DSA – Drakensang habe ich aus akutem Desinteresse ignoriert, ebenso Spellborne… wobei sich dieser Stand durch seine andauernde Wiederholung des Spellborne-Promo-Videos mit dem exklusiven Within Temptation-Song sicherlich keine Freunde bei den umliegenden Ständen gemacht hat, die dieses Lied hundertemal hören durften. Ansonsten kann man nur den Stand von buffed.de erwähnen, welche den ganzen Tag Live-Raids und ähnliches veranstaltet haben und auch nicht gerade leise agierten. Immerhin kam irgendwann der Community Manager von Ascaron zum Arcane Codex-Stand und erwähnte seine Vorliebe für dieses Rollenspiel. Im Gespräch konnten wir ihm dann einige Infos zu Sacred 2 entlocken, die wir aber nicht weitergeben dürfen. 😛

Dies und Das

Unglaublich, wie viel Personal der Messehalle dort herumlief. Es gab jede Menge muskelbepackte und tätowierte Menschen die grimmig an Ausgängen Wache hielten, eine Schar von Sanitärpersonal die sich um die Toiletten kümmerten (Hallo, Ratcon!) und genügend Mitarbeiter an den (völlig überteuerten) Fressbuden, um eine eigene Con zu füllen. Die Party am Samstag abend gefiel mir nicht sonderlich, da mir keine der Bands sonderlich zusagte. Auch die Ordner waren an dem Abend eher unfreundlich bis uninformiert… wenn man abends um 21 Uhr noch mal in die Halle wollte, um ein Partyticket zu kaufen oder nur seinen Kram zu holen, so wurde man abgewiesen. Selbst Leute mit einer Dauerkarte kamen nicht mehr herein! Wenn man als Besucher eine Partykarte haben wollte, so hätte man sich diese vorher kaufen müssen, um an die verbilligte Karte zu gelangen. Selbst wenn man mit Eintrittskarte und Stempel vor den Ordnern stand, wollten diese einen nicht mehr als Besucher anerkennen. Sehr ärgerlich, aber zum Glück gab es ja Seiteneingänge, wo es den Ordnern dann egal war… und wenn man dann eine Karte hatte, wurde man vor dem Eingang zur Halle zur Party nicht mehr kontrolliert… grrr. Der Trend der ausbleibenden Sonderangebote setze sich auch auf dieser Messe fort. Einzig beim Drachenei gab es diverse Kisten mit d20-Kram zum halben Preis, oder sogar für nur 2,50 Euro. Ich favourisierte jedenfalls die Kiste mit den 1 Euro Büchern, die mal eben 1/25 des Ursprungspreises kosteten. Jedenfalls habe ich nun für eine Handvoll Euro alle Quellenbücher für Armageddon 2089 : Total War von Mongoose Publishing erstehen können. In einem Moment der Schwäche erstand ich das RPC-T-Shirt als Erinnerungsstück. Es kostete zwar nur 10 Euro, doch der Druck des Logos ist bemerkenswert schlecht. Die Farben sind verschwommen und kaum zu erkennen und der Druck sieht aus, als wäre das Shirt ein Jahr lang getragen und einmal die Woche gewaschen worden.

Fazit

Die Preise waren doch ziemlich gesalzen, gerade für die örtliche Verpflegung musste man geradezu Fantasiepreise für mickrige Portionen zahlen. Aber das Konzept der Con hat besser funktioniert, als ich es zuerst annahm und befürchtete. Klar, es gab einige Videospieler und auch Rollenspielfans, die für ihr Hobby zu wenig vorfanden und enttäuscht wieder abzogen, doch es gab auch einige, die über den Tellerrand schauten und sich für andere Bereiche des Hobbys interessierten. Gerade die zahlreichen Jugendlichen, die wegen der Videospiele gekommen waren, waren eine Zielgruppe, die man nicht mehr auf reinen Rollenspielmessen antrifft und die man stark bearbeiten konnte, um sie für unser Hobby zu begeistern. Und hey… ich weiß nun endlich, was unseren Conventions immer gefehlt hat: Messebabes in knappen Outfits! 😀

Insgesamt eine interessante Con, deren Kinderkrankheiten hoffentlich bis 2008 ausgemerzt werden. Laut Veranstalter waren es 12.000 Besucher. Für eine Messe mit Rollenspielthematik sicherlich sehr gut, doch weit unter den gewünschten Zahlen der Veranstalter, die ja blauäugigerweise von 20 bis 30.000 Besuchern ausgingen.

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5 Kommentare

  1. WarWolf said,

    Scorp,

    du hättest dich lieber in der Halle mit dem Mittelalter-Markt verpflegen sollen. Bei z.B. 3 Euronen für einen dicken Napf Suppe (Erbsen, Gyros, Gulasch, Reiter) mit Brötchen konnte man nicht meckern.

    Mir haben die Leute echt leid getan, die sich bei den Messe-eigenen Frittenknechten füttern ließen. War schlechter und teuer!

    Eiserne Grüße,
    WarWolf

  2. Greifenklaue said,

    War erfreut, Dich mal wieder getroffen zu haben 😉

  3. Argamae said,

    Hm, Messe-Atmosphäre und Messe-Preise. Ich mag lieber Con-Atmosphäre und Con-Preise! 😉 Es war jedoch viel besser als erwartet und den Besuch wert. Hätte mir mehr Stände mit Schnäppchen oder Restposten gewünscht… sowas mag ich einfach auf solchen Veranstaltungen.
    Ach ja: du hast die Messe-Babes vergessen! Die sahen aus wie Premium-Mitglieder aus dem Xena-Fanclub! 🙂

    Lieben Gruß, Argamae

  4. freaktv said,

    also ich fand die preise ganz gut (für das eine oder andere teil) ^^ gegessen hab ich dort nicht O.o
    ja die messe.girls . so amazonen-verschnitte :>

  5. Loup Garou said,

    Hallo,
    im großen und ganzne triffst du meine Ansuchten wieder. Zwei Anmerkungen habe ich aber zu machen.
    1. wie schon mein Vorredner sagte, konnte man sich inder Mittelalter halte ziehlich gut und ( verhältnismäßig ) günstig mit Esswaren versorgen
    und
    2. Das Drachenei war nicht mit einen Stand vertreten. Die Sonderangebote von dennen du sprichst stammten von den Hamburger Laden ATLANTIS der auch – leider sehr schlecht angenommene – Vorstellungen für Das TabletopWarlord organisiert hat.

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