Ratcon 2007

26. August 2007 at 22:54 (Con-Berichte, Rollenspiel)

Interessant wie die Vervierfachung der Wochenarbeitszeit doch die Arbeiten für Hobby und Uni zurückwerfen kann… aber nun gut.

Ich habe mich letztes Wochenende mal wieder auf der Ratcon herumgetrieben, von Freitag bis Sonntag abend, ausgerüstet mit Zelt, Isomatte und Schlafsack. Aber das wichtigste waren die Ohrenstöpsel, die mich vor der Hartwurst-Glorifizierung der nebenan campierenden DSA-Spieler und einigen Österreichern schützen, welche ich beim besten Willen nicht verstehen konnte und wollte. Die klangen so, als würde man Popmusik auf halber Geschwindigkeit rückwärts hören *schüttel*.

Nach ausnahmsweise mal reibungsloser Anreise mit dem Zug, konnte ich Freitag abend erstmal ein paar Hände schütteln und Leute treffen, die man eben nur auf Cons trifft. Schnell noch ein paar Kostbarkeiten aus dem 50%-Angebot von Feder&Schwert (die einzigen, die überhaupt noch Angebote haben…) errettet und die einzige Box von „Saga of the Dragon Cult“ aus der Dungeon Crawl Classic-Reihe bei Ulisses abgegriffen. Abends konnte ich dann noch Reign von Greg Stolze ausprobieren, ein Rollenspiel über Herrscher und Regenten. Eher klassisch aufgebautes Spiel, mit einem Lebenspfad-System, das… interessante Hintergrundelemente für den Charakter bereit halten kann. In unserer Runde hatten wir eine große Schnittmenge von Personen, die von Barbaren entführt, gestrandet und fast in einem Ritual geopfert wurden. Da wir aber bewusst unsere Charaktere auswürfeln wollten, haben wir uns dann passende, stellenweise sehr abstruse Begründungen für diese Zusammenhänge in der Gruppe ausgedacht, was an sich schon ziemlich unterhaltsam war. Die Runde bestand dann aus zwei Dieben und einem Schattenmagier, so dass wir uns für eine Diebesgilde in einer größeren Stadt entschieden. Als tragende Elemente dieser Diebesgilde war es dann an uns, aktiv zu werden, um unseren Einfluss auszubreiten und unsere Gegner in die Scheiße zu reiten. Unser Antagonist war zunächst die Geldverleihergilde, die wir mit gefälschten Dokumenten (dank entwendeten Siegeln aus ihrem Hauptquartier) ordentlich in Bedrängnis bringen konnten, nachdem sie zuerst eine unserer schönen Drogenfarmen überfallen hatten. Die Aktionen der Spieler verändern die übersichtliche Zahl von Attributen, die jede Company (das kann ein Reich, ein Stamm oder in unserem Fall eben eine Diebesgilde sein) hat. Die beiden konkurrierenden Companies würfeln dann gegeneinander und verlieren, bzw. gewinnen an Macht, Geld, Anhängern, Einfluß, etc. Ein interessantes Spiel für alle, die gerne größer angelegte Konflikte a la „Lied von Eis und Feuer“ ausspielen wollen. Durch die eigene Company im Rücken, hat man zudem als Spieler immer ein Ziel vor Augen. Man agiert als Spieler von sich selbst aus, um die Company zu stärken, statt auf einen alten Mann in der Taverne zu warten, der einem einen Auftrag gibt. Reign behalte ich mal im Auge, vielleicht spielen wir ja nächstes Jahr weiter und übernehmen endlich die Prostiution in der Stadt! 😉

Samstag morgen began ich den Tag damit, mir Doms Workshop über die Verwendung von Regeln im Rollenspiel anzuhören. Ein guter Workshop, der mir zwar nicht unbedingt etwas neues beibringen konnte, aber meine Meinung zum Thema fokusiert und weiter verdeutlich hat. Leider waren nicht viele Leute da. Und natürlich hat die „Regeln sind unwichtig und Spielleiterwillkür ist toll!“-Fraktion gefehlt, die in diesem Workshop soooo viel hätte lernen können. Warum waren so wenig da? Weil die Orga sich wie jedes Jahr auch diesmal bemühte, das Zustandekommen von Workshops und Spielrunden mit aller Kraft zu verhindern. Die blödsinnige 5-Euro-Tischkaution für Spielleiter existiert nach wie vor, der ausgehängte Übersichtsplan für Workshops und vorangemeldete Spielrunden war seit WOCHEN nicht mehr aktuell und die Workshop-Räume hatten keine Stühle. Für Doms Workshop haben wir uns noch Stühle aus dem benachbarten Rollenspielzimmer entliehen, doch alle die später kamen (der Workshop hing eben nicht aus, man musste das einfach wissen, dass er dann dort stattfindet), durften auf dem Boden platznehmen. Wahrlich verwunderlich, konnte man sich doch am Info-Stand auf Nachfrage (!) eine Übersicht mit dem Ratcon-Programm aushändigen lassen, die aktueller (merke, nicht die aktuellste) war. Eigentlich wollte ich später noch zu Purzels Workshop über Flag Framing, Relationship-Maps und dergleichen, doch ich wurde durch eine Demorunde für das Tabletop Anima aufgehalten. Ich dachte, dass ein Spiel mit zwei Figuren pro Seite ja nicht lange dauern könnte, aber… nö. Da jede der Figuren die Option hat, für einen Kraftpunkt noch einen w10 zusätzlich zu der eigenen Abwehr zu addieren, ist fast das ganze Spiel über nichts passiert. Es hat das uralte DSA-Problem, dass die Abwehr zu stark ist und das Spiel nur hinauszögert. Zwar ist die Verteilung der begrenzten Kraftpunkte pro Runde interessant, doch läuft es am Ende darauf hinaus, dass sich mehrere gegenüberstehen und so lange gewürfelt wird, bis es einer verkackt. Als wäre ich davon nicht schon überzeugt genug, sind die beiden Parteien auch noch schlecht ausbalanciert, was die Demo-Anbieterin auch immer wieder betonte. Die nette Dame gab sich sichtlich Mühe zu verlieren, was mir auch etwas säuerlich aufstieß. Naja, das Tabletop zu Anima konnte mich nicht überzeugen, weder von der Mechanik, noch von den Figuren oder der Thematik (es gibt die Guten, die Bösen und die Neutralen als Fraktionen… wie viel GÄHN kann man produzieren??). Als ich dann verspätet zu Purzelss Workshop stieß und die Tür öffnete, erschlug ich bereits fast jemanden. Der Workshop gehörte zu den wenigen ausgehängten und war ziemlich gut besucht. Natürlich hatte auch dieser Saal keine Stühle und so stand ich erstmal zehn Minuten im Türrahmen und konnte den interessanten Inhalten lauschen. Nachdem mir aber zum dritten Mal die Klinke in den Rücken gerammt wurde, beschloss ich dann doch zu gehen… abends gab es noch eine Runde Toons!. Ein sehr chaotisches Spiel. Wir spielten eine Toons-Olympiade, wobei wir eigentlich nur immer unter passenden Werten für die passende Sportart würfeln mussten. Man merkt dem Spiel deutlich das Alter an, denn der Mechanismus mit 2w6 gleich oder unter seinem Wert zu würfeln ist eher… mau. Ich weiß nicht, ob es am System, oder der Regelabgeneigtheit unserer Spielleiterin lag, aber so etwas wie Initiative gab es auch nicht, jeder konnte dann würfeln wann er es wollte und Dinge tun, die ihm passten. Sehr chaotisch und insgesamt nach 20 Minuten vorbei, wobei unsere SL noch meinte, sie hätte das damals in drei Stunden gespielt. Mir ist unverständlich, wie das funktioniert haben soll.

Sonntag kam ich dann noch in eine Warhammer-Runde unter Oliver Hoffmann. Da ich mehr als 70 Spielabende Warhammer hinter mir habe, wurde ich von ihm direkt mal dazu ausersehen, dem Neuling in der Runde das System und die Charaktererschaffung zu erklären. Das Abenteuer war ein kampfloser Krimi, bei dem ich aber leider zwischenzeitlich den Anschluss verlor. Die Gruppe hatte wohl einen sehr wichtigen Dialog geführt, während ich auf dem Klo war… interessant war aber noch einer der Mitspieler, dessen etwa 3.000-XP-Charakter mehrere tausend Goldmünzen, Plattenrüstung und ein meisterhaft gefertigtes Schwert mit zwergischer Feuerrune hatte. Wenn ich bedenke, was für Diskussionen ich mich im Warhammer Forum stellen musste, weil unsere Charaktere angeblich „zu gut“ für Warhammer gewesen wären… dieser Charaktere vereinte mehr Gold und magische Gegenstände auf sich, als unsere ganze Gruppe damals in der ganzen Kampagne besessen hatte. Und er schmiss mit dem Geld nur so um sich. Nach einem Gespräch mit einem NSC gab er diesem einfach mal zehn Gold für seine Zusammenarbeit. Mein Warhammer-Charakter hatte für weniger Geld Leute ermordet… aber nun gut, es gibt wohl doch mehrere Arten Warhammer zu spielen.

Was gibt es sonst noch vom Con zu berichten? Zum ersten Mal kam es auf einem Ratcon zu Diebstählen. Es sind wohl einige Leute über den Zaun des Geländes geklettert, haben Zelte durchwühlt und wertvoll aussehenden Kram mitgenommen, was in der Folge zu Zeltplatzaufsicht durch die Veranstalter führte. Bei den Losen hatte ich erneut kein Glück. Bei zwölf Losen hatte ich nur einen Gewinn und das war ein Buch von Shadowrun, welches ich bereits besaß. Aufgeheitert wurde ich auch nicht gerade durch einen Bekannten, der mir grinsend erklärte „Immer wenn ich das sehe, muss ich an dich denken.“ und mir ein „Leider verloren“-Los unter die Nase hielt. Danke Hendrik ;).

Tja, mal sehen ob es nächstes Jahr wieder einen Ratcon gibt. Das war der letzte von Fanpro und vielleicht hat Ulisses ja keinen Bock mehr darauf. Das fände ich sehr schade, denn ich bin seit dem ersten Ratcon dabei und mir ist die Con (trotz meiner DSA-Aversion) ans Herz gewachsen.

Nachtrag: Es gab auch noch eine Runde Funky Colts direkt beim Autor, an der ich teilgenommen habe, doch zu diesem Spiel gibt es in absehbarer Zeit eine Rezension von mir, weswegen ich hier nicht näher darauf eingehe.

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3 Kommentare

  1. dgrashoff said,

    Bin schon auf deine Funky-Colts Rezi gespannt. 🙂

    gruß – der grasi

  2. flippah said,

    Auch dieser Con lief schon über F-Shop (die gibts ja noch) und Ulisses, von daher denke, ich, dass der RatCon bleiben wird.

  3. Jens said,

    Was war das denn für ein Hartwurst-Glorifizierungsritual da? Erzähl ma 😉

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