Kein Applaus für Scheiße!

14. September 2007 at 12:41 (Rollenspiel, Tabletop, Videogames)

Mit diesem schön-plakativen Spruch hatten die Fantastischen Vier dereinst als autonome Medienguerillias die Fernsehlandschaft tyrannisiert. Okay, das war wohl vor allem eine Marketingaktion, aber der Spruch hat nach wie vor seine Wirkung.

Die Ära FASA geht mit der Schließung der FASA-Studios endgültig zu Ende. Nachdem sie zuletzt noch das hochumstrittene Shadowrun produziert hatten, hat Microsoft nun das Studio aufgelöst und die Mitarbeiter der eigenen Legion der Spielentwickler untergeordnet. Gedenken wir Klassikern der Unterhaltungssoftware, wie MechCommander, MechWarrior, und Crimson Skies. Hüllen wir den Mantel des Schweigens über Shadowrun. Ein Spiel das nur unter Windows Vista läuft, gleichzeitig aber das Vista-exklusive DirectX10 nicht nutzt. Ein Spiel, dass sich ein bestehendes Franchise nimmt, alles daran ändert und dann erwartet, dass die Fans es trotzdem mögen. Ein Spiel, dass die Brücke zwischen Xbox360 und PC schlagen wollte, aber dank vieler Kompromisse keine Seite glücklich zu machen vermochte.

Degenesis gibt sich weiterhin Mühe negativ aufzufallen. Auf dem Feencon wurde ein Workshop aufgenommen, den man sich in zwei Teilen hier und hier herunterladen, bzw. anhören kann. Jens „Eismann“ Ullrich und Jens „Medic“ Ballerstädt widmen sich weniger dem eigentlichen Workshop-Thema „Worum geht es bei Degenesis eigentlich?“, sondern machen so ziemlich genau das Gegenteil von Werbung. Eismann hält sich während des Podcasts noch recht bedeckt und übt im Nachhinein im GroFaFo auch selbst Kritik an deren Präsentation. Aber was sich Medic hier leistet, geht wieder inhaltlich noch rhetorisch. Der gesamte Workshop ist wirr und unstrukturiert, es wird zunächst eine höchst unbefriedigende Zusammenfassung des Settings mit fragwürdiger Gewichtung der interessanten Aspekte (Spitaler stinken!) geliefert, bis Eismann seinen Kumpanen unterbricht und man sich dem eigentlichen Thema des Workshops annähert. Effektiv geht es darum, dass Degenesis eigentlich unspielbar ist. Ja, die Kulte hassen sich untereinander, aber die Spieler sollen kultferne Charaktere spielen. Hallo? Wieso wird so viel Terz um die Kulte gemacht, wenn ich dann nur die Weichspülversion davon spielen soll, damit man Degenesis überhaupt spielen KANN? Außerdem scheint Degenesis sich zum Monsterkloppen zu eigenen. Jedenfalls kann man es spielen. Oder auch nicht. Es ist zumindest kein Ziel des Spiels. Obwohl man es auch machen kann. Überleben heißt das Ziel des Spiels. Aber wohl auch etwas verändern. Obwohl eigentlich alles am Arsch ist und das auch wichtig für die Stimmung ist. Man kann aber auch Politik betreiben und so. Muss man aber nicht. Der Workshop zeigt ganz klar, wo die Probleme von Degenesis liegen. Nicht einmal die Autoren wissen, wie man Degenesis spielt, oder was man da überhaupt macht. Christian Günther saß auch im Plenum, hat aber nie irgendwas korrigiert, ergänzt oder überhaupt an der Diskussion teilgenommen. Wieso auch, er hat ja nur das alles erfunden. Medics Einschätzung, dass Degenesis das Potential hat, ein ganz großes Rollenspiel zu werden, kann man nur mit Bösartigkeit begegnen. In drei Jahren sind eine große Menge an Autoren verschlissen und „gegangen worden“, wobei nur eine sehr übersichtliche Zahl an Publikationen seinen Weg in die Regale gefunden hat.

Der französische Miniaturenhersteller Rackham stellt die Produktion auf vorbemalte Miniaturen um. Wieso? Hier die Pressemitteilung. Also effektiv haben sie Finanzprobleme. AT-43 läuft in Europa nicht sonderlich gut. Für die nächste Edition stellen sie auch Confrontation auf vorbemaltes Plastik (oder ist das Hartgummi?) um. Und das ist dermaßen blöd, dass es kracht. Klar, mit vorbemalten Plastikminis kann man neue Kundenschichten erreichen. Und vor allem etablierte vergraulen. Und neue Kundenschichten gewinnt man auch nicht, indem man vorbemalte Plastikminiaturen verkauft, die teurer sind als Zinn-Miniaturen von Games Workshop! Confrontation hat dereinst Maßstäbe gesetzt, was Dynamik, Qualität und Detailreichtum seiner Modelle anbelangte. Zig Leute, darunter auch ich, haben sich die Minis nur geholt, um sie anzumalen, in den Schrank zu stellen und zu bewundern, oder sie als Alternativmodelle für andere Spiele zu benutzen. Rackham war stolz darauf, fantastisch bemalte Miniaturen der höchsten Qualität in ihrem Magazin präsentieren zu können. Sie haben bisweilen nicht mal Metallfarben für ihre Minis verwendet, sondern die Metalle mit zig Schichten von anderen Farben simuliert, was geradezu Kunst ist! Und jetzt sollen diese Minis industriell vorbemalt und aus Plastik zu einem absurden Preis erscheinen? Rackham ist momentan effektiv die Nummer zwei im Miniaturenmarkt. Wenn man sich mal die Pressemitteilung ansieht und den Umsatz mit GW vergleicht, dann hat Rackham momentan etwa 2% des Umsatzes von GW. Die Strategie von Rackham, gegen den Protest der bisherigen Käufer die komplette Produktpalette umzustellen ist einfach völlig bekloppt. Naja, vielleicht zieht Privateer Press mit Warmachine und Hordes nach. Sind meiner Meinung nach eh die besseren Systeme.

Fantasy Flight Games produziert Mutant Chronicles als Miniaturenspiel im 54mm Maßstab, das kein anderes Spiel verwendetm von GWs Inquisitor mal abgesehen. Riesige Miniaturen, die dann auch noch sammelbar sind? Hallo? Ein Starterset mit sechs Minis für 30$ und Booster mit vier Minis für 20$ ist… gewagt für ein Sammelspiel. Gerade da das erste Set um die 26 Modelle enthalten soll, von denen es dann ein bis drei Varianten geben soll (mehr dazu weiter unten). Der Starter soll alle Regeln für alle Miniaturen der Reihe enthalten, so dass man sich die Minis gezielt über eBay und Konsorten zusammenkaufen kann (Tolle Wurst, ehrlich…). Und als ob das noch nicht reichen würde, gibt es im ersten Set des Spiels nur die vier Fraktionen Capitol, Bauhaus, Bruderschaft und Dark Legion (Algeroth). Mein Favourit Imperial ist nicht mal dabei. Skandal! Die Miniaturen werden keine Punktwerte haben, sondern einen Bronze-, Silber- oder Gold-Rang. Das Balancing geschieht im Vorfeld über die Festlegung der Medallien pro Seite, z.B. sechs Bronze, vier Silber und ein Gold. Das klingt ganz interessant, auch wenn es einigen Fraktionen Stil nimmt, wie z.B. Horden von Untoten Legionären gegen ein paar elitäre Marines aufzustellen. Aber sicher kann man sich auch da einigen, das System liest sich erstmal flexibel. Zudem muss man Spezialfähigkeiten und auch Befehlskarten vor dem Spiel kaufen, um überhaupt etwas mit seiner Armee anstellen zu können. Mal sehen wie das klappt, bei Battlelore funktioniert das ja irgendwie ähnlich. Apropos Battlelore! Das neue Spiel wird nicht mal ein freies Tabletop sein (wie etwa Warhammer 40.000), sondern auf einem Spielplan mit Hexfeldern stattfinden (so wie BattleTech und Battlelore). Der Kampf scheint wie bei Descent oder dem Doom-Brettspiel abzulaufen. Man wirft eine vorgebene Zahl von speziellen Würfeln, die Reichweite, Schaden und dergleichen bestimmen. Erreicht man mit der Reichweite das Ziel und würfelt dabei mehr Schaden als die Panzerung des Ziels beträgt, so verursacht man Schaden. Warum sammelbar? Händler wollen nicht so viel Platz für neue Spiele bereitstellen. Normalerweise müsste man eine Wand freiräumen und dort alle Fraktionen aushängen. So stellt man einfach nur ein paar Boxen hin, da man ja nicht weiß, was da drin ist. Wieso dieser ungewöhnliche Maßstab? Fantasy Flight Games wollen nur besondere Spiele machen und deswegen werden die groß. Klingt alles sehr unüberzeugend für mich. Sehr obskure Gründe, die man da direkt vom FFG-Menschen in dem Podcast Pulp Gamer-Podcast Inside Track 31 zu hören bekommt. Fotos und weitere Infos zum Spiel gibt es hier und hier. Man scheint auch den Veröffentlichungstermin des Spiels mit dem des Films synchronisieren zu wollen, was ja an sich recht clever ist. Nur ist das Erscheinen des Films noch nicht ganz klar. Momentan wird die Veröffentlichung des Films auf März 2008 geschätzt, die Homepage von Fantasy Flight Games geht noch von Ende 2007 aus. Achja… wie Modelle der Bruderschaft sehen aus, als wären es verstoßene Bastard-Kinder der Warhammer 40.000-Eldar. Wieso müssen sie so bunt sein wie Kirchenfenster? Und wo sind all die riesigen, unpraktischen Schulterpolster hin? Die Mutant Chronicles sind einfach nicht das gleiche ohne sie… *seufz*

Genug aufgeregt. Kein Applaus für Scheiße wird hoffentlich keine feste Rubrik…

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