Zensur für Deutschland! (II)

12. Oktober 2007 at 13:39 (Politik, Videogames)

So, ich muss mal wieder meine aktuellen Projekte unterbrechen. Warum? Kommenden Mittwoch beschäftigt sich das Bundeskabinett mit dem Gesetzentwurf über die Verschärfung des Jugendschutzes. Hier kann man sich den Entwurf bereits einmal ansehen. Und es ist wieder mal ein Grund für Zahnschmerzen. Der Gesetzentwurf enthält alles, was man bisher an Unfug gehört hat. Die Kritierien, was gefährlich für Jugendliche [und indirekt suggeriert, natürlich auch für Erwachsene] ist, werden NOCH willkürlicher als die bisherigen. Was soll verboten werden? „Besonders realistische, grausame und reißerische Darstellungen selbstzweckhafter Gewalt, die das Geschehen beherrschen“, Medien in denen „Gewalthandlungen wie Mord- und Metzelszenen selbstzweckhaft und detailiert dargestellt werden“ sowie „Selbstjustiz als einzig bewährtes Mittel zur Durchsetzung der vermeintlichen Gerechtigkeit“. Die Willkür, nach der solche Medien indiziert werden, stößt auch dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. sauer auf, wie man in seiner Pressemitteilung lesen kann. Zudem sollen die Jugendschutzkennzeichnen bei Filmträgern nun 250 Quadratmilimeter und bei Videospielen 1200 Quadratmilimeter groß sein und auf dem Frontcover zu finden sein. Sieht bestimmt scheußlich aus und wird wohl kaum jemanden davon abhalten, der sich bisher auch schon nicht dafür interessiert hat. Weitere Schmankerl: Einfach die Studie des Hans-Bredow-Instituts als Beweis für nicht ausreichenden Jugendschutz heranziehen, obwohl diese Studie das gar nicht festgestellt hat. Es wird so dargestellt, als ob man dieses Gesetzentwurf aufgrund von Druck aus der Öffentlichkeit vorbereitet hätte. Das ist eine infame Unterstellung. Wenn es solche Bestrebungen in der Öffentlichkeit geben würde, dann nur, weil viele Politiker auf populistische Weise nach dem Scholl Shooting vom Emsdetten (nein, es war noch immer kein Amoklauf), die Schuld bei Videospielen gesucht haben und Verbote forderten. Schaut in den Polizeibericht, der die Tat analysierte und auch Videospiele als mögliche Ursache untersuchte. Der Bericht kam zu einem NEGATIVEN Ergebnis in dieser Hinsicht! Es ist widerlich, wie diese Bluttat instrumentalisiert wird, um härtere Gesetze durchzusetzen, die überhaupt nicht nötig sind. Irgendwie süß ist da schon der Hinweis, dass man die Regelung bundeseinheitlich schaffen müsste, um eine finanzielle Belastung der Herstellerfirmen so gering wie möglich zu halten. HALLO? Einerseits will man ihnen die Veröffentlichung von Videospielen in Deutschland durch eine Indizierung quasi untersagen (Werbeverbot + Verbot der öffentlichen Auslage oder nur Nennung = gleich wirtschaftlicher Selbstmord bei Veröffentlichung) oder das Spiel muss mit großem finanziellen und personellem Aufwand entschärft werden, aber die Politiker machen sich Gedanken dazu, dass mehrere Coverinlays mit unterschiedlich großen Jugendschutzbestimmungen die Kosten für Hersteller erhöhen würden? Direkt danach erkennt man auch, dass der Versand nicht an Landesgrenzen gebunden ist, man auch im Ausland bestellen kann und man dies nicht kontrollieren kann. Das ihnen an dieser Stelle nicht auffällt, dass ihr ganzes Gesetz sowieso eigentlich nur irrelevant ist und leicht umgangen werden kann!

Der neue Gesetzentwurf schafft eine größere Rechtsunsicherheit für Hersteller von Medien, öffnet Zensur Tür und Tor und ist eigentlich nur eine Behinderung für diejenigen, welche in Deutschland kaufen wollen, da man alles ohne Alterskontrolle und unzensiert im Ausland erstehen kann. Den einzigen Punkt den ich befürworten kann, sind die Testkäufe durch Jugendliche, da es damit endlich einmal zu einer Durchführung der bestehenden Gesetze kommt. Aber anstatt diese erstmal durchzusetzen, werden sie direkt wieder verschärft. ARGH!

Aber was rede ich da? Zensur wird nicht kommen, Zensur ist bereits da. Wenn ich im GameStar-Podcast hören muss, dass ein Redakteur über Coop-Modi bei Videospielen schwärmt und dabei besonders einen Titel loben möchte, den er aber nicht nennen darf, weil dieser in der BRD indiziert ist. Was ist das denn bitte anderes als Zensur? Aber nein, es ist keine Zensur, es ist Zwang zur Selbstzensur. Natürlich könnte GameStar indizierte Medien im Podcast oder der Zeitschrift vorstellen, aber das könnte als Werbung für das indizierte Medium ausgelegt werden, wodurch das „werbende“ Medium auch indiziert werden würde. Das wäre natürlich wirtschaftlicher Selbstmord, weswegen man darauf verzichet. Aber das ist ja keine Zensur. Zensur ist nur das, was die Zensoren als Zensur definieren.

So Bürger… Ende der Information. Zurück an die Arbeit!

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