First Level Con 6 – Ein Rückblick

16. April 2008 at 12:56 (Allgemein, Con-Berichte, Politik, Rollenspiel)

Ich bin noch nie für eine Con so weit gereist, wie für die First Level Con in Halle… das sind von Aachen aus mal eben mehr als 500 km. Und war mein erster Besuch im „Osten“. Und weil meine Holde sehr billige Flugtickets erstehen konnte, auch noch mein erster Flug. Insgesamt konnte ich die Reise also mit einer ganzen Menge Erfahrungen als nur der Con verknüpfen.

Fange wir mal vorne an. Fliegen ist schon etwas besonderes. Zum einen haben wir die Strecke (zugegebenermaßen von Köln/Bonn aus, da Aachen keinen richtigen Flughafen hat) in einer 3/4 Stunde statt fünf Stunden zurückgelegt, zum anderen, weil ich Fliegen nicht so gut vertrage, wie ich merken konnte. Na gut, alleine die Vorstellung auf einer Achterbahn mit ihrer schnellen Richtungsänderungen und der Überwindung von Höhenunterschieden bereitet mir schon Panik, da wundert mich meine Empfindlichkeit beim Fliegen nicht. Aber der Blick von oben auf ein Meer aus Wolken war schon eindrucksvoll.

Weniger eindrucksvoll war da schon Halle. Es war mein erster Besuch in der ehemaligen DDR und ich war schon ziemlich … tja, was ist der richtige Eindruck? Ich glaube bedrückt. Halle ist die deprimierenste Stadt, in der ich jemals war. Halle ist für etwa 300.000 Einwohner ausgelegt und beherrbergt momentan etwa 230.000. Das zeigt sich ziemlich deutlich in der Stadt. Zig Häuser sehen aus, als wären sie seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr mit einem Handwerker in Berührung gekommen, viele sind zugemauert oder von Baugerüsten umhüllt, damit sie nicht zusammenfallen. Außerdem sind extrem viele Zimmer und Häuser leerstehend, überall sieht man Angebote, das Zimmer zur Miete oder zum Verkauf freistehen würden. Das beängstigende ist, das in vielen Bauruinen noch Leute wohnen… Es gibt auch nette Ecken und sanierte Häuser in der Stadt, doch stehen diese direkt neben Ruinen, was die Trostlosigkeit nur verstärkt. Selbst Gebäude wie die Oper von Halle, sehen von vorne noch nett saniert aus, aber sobald man in die Nebenstraße tritt, kann man nur den Kopf schütteln. Die Seiten der Oper sehen aus, als hätte das Geld für die Sanierung nur für die vordere Fassade gereicht … und das seit einer langen Zeit. Es kommt noch hinzu, dass die ganze Stadt eine wilde Mischung aus Baustilen direkt nebeneinander setzt. Es ist nicht ungewöhnlich ein graues, zugemauertes Eckhaus aus den 1920ern neben einem Glas-und-Stahl-Bankgebäude zu sehen, das widerum neben einem orangen Altbau steht. Wie eingangs erwähnt, habe ich so etwas bedrückend noch nie in einer Stadt gesehen. Halle wird wohl auch die „graue Diva“ genannt, doch konnte ich von der Diva nichts sehen. Als ich einige Hallenser und Rollenspielern mein Empfinden über die Stadt vortrug, nickten sie dies nur ab und bezeichneten es als den „Halle-Blues“. Es ist ein Gefühl, wirklichen Niedergang zu sehen… etwas Großes, Schönes und Altes kann nicht erhalten werden und siecht vor sich hin, weil die Ressourcen fehlen, um es zu erhalten. Als wir mit der Straßenbahn zum Steintor fuhren, wo sich laut Durchsage der Bahn „das älteste Varieté Deutschlands“ befindet und man auf einen hässlichen Klotz zufährt, an dem die Farbe abblättert und an dem mehrere Buchstaben von „Varieté“ fehlen, dann kann man nicht anders, als Verlust und Niedergang zu empfinden.

Derart vorbelastet ging es dann zum Con. Das Congelände war das „Spielhaus“, das von außen wie ein rustikaler, einsturzgefährdeter Kuhstall aussieht, innen aber wirklich gemütlich ist. Der normale Veranstaltungsort war leider nicht verfügbar und so wurde das Spielhaus kurzfristig zur Lokalität der Con ernannt. Wir waren leider etwas zu spät und so habe ich die Einsteigerrede verpasst, bei der die Einsteigerrunden vorgestellt wurden. Eine gute Idee, um neue Systeme vorzustellen, da man einen Eindruck von dem System erhält, noch bevor man sich für eine Runde entscheidet. Leider war die Dogs in the Vinyard-Runde von Dirk aus dem Tanelorn-Forum bereits voll, aber ich wollte ja eh Savage Worlds leiten. Die DitV-Runde scheint gut angekommen zu sein, immerhin einer der Spieler erzählte mir später, dass er direkt danach nach einem Händler für das Regelwerk gesucht habe und bei Roland fündig wurde. Für die Savage Worlds-Runde hatte ich „The Secret of Jub-Jub-Lake“ ausgesucht, weil ich mal Fantasy mit dem Regelsystem ausprobieren wollte. Flott hatte ich sechs Spieler zusammen und sie machten sich nach anfänglicher Plotresistenz auf, das Geheimnis des Sees zu ergründen. Klare Notiz an mich: nächstes mal besser vorbereiten und eine BattleMap einpacken. Wenn sechs Spieler gegen ein dutzend Wölfe und Goblins kämpfen, ist es viel zu schnell viel zu unübersichtlich geworden. Immerhin konnte der Spieler des Barbaren mit seinem Rundumschlag mit einer Aktion sechs Zwerge (!) töten. Genau solche Momente haben das Spiel herausgerissen, denn es war bisweilen etwas dröge, weil ich und die Spieler bisweilen nur noch Mist gewürfelt haben, was das ganze unnötig verzögert hat.

Dann war es auch schon abend und das ganze wurde etwas obskurer. Das Spielhaus war nämlich nicht für die Con reserviert, sondern hatte Samstag abend normalen Betrieb, so dass auch rollenspielfremde die Lokalität stürmten. Das wäre eigentlich eine gute Möglichkeit gewesen, Neulinge ins Hobby zu ziehen, aber dahingehend wurde nichts unternommen. Richtig obskur war aber die Einstellung, dass BIS 18 Uhr ein Rauchverbot im Haus herrscht und die Süchtigen zum Befriedigen ihrer Lust vor die Tür gingen… AB 18 Uhr aber das Rauchen erlaubt war und davon SEHR ausgiebig Gebrauch gemacht wurde, gerade von den rollenspielfremden Besuchern, die fast durchgängig rauchten. Eine bescheuerte Regelung.

Insgesamt muss ich sagen, dass für das Konzept der „First Level Con“ nur sehr wenig unternommen wurde. Genau genommen galt das nur für die erste Runde Samstags, denn als gegen 18 Uhr die zweite Phase der Runden anfing, begannen viele, laufende Kampagnen entweder wiederzubeleben oder weiterzuspielen. Effektiv saßen stehende Runden aus Leuten die sich bereits kannten zusammen, um Systeme zu spielen, die sie auch kannten, was meiner Meinung nach nicht nur gegen das Konzept einer „First Level Con“ verstößt, sondern auch gegen das Konzept von Cons an sich. Samstag nacht kam ich dann noch in eine Shadowrun 3.01D Runde die aber vorzeitig abgebrochen wurde und die mir vor allem vor Augen führte, wieso ich nur noch Shadowrun 4 spiele. Sonntag verschlimmerte sich die Situation mit den „Stammrunden“ noch, was dadurch verschlimmert wurde, dass die Con nur noch aus einem guten Dutzend Leuten und zwei bis drei Runden bestand. Irgendwie irritiert es mich, dass selbst ortsansäßige Rollenspieler und Mitorganisatoren der Con ihre Veranstaltung nicht einmal durchgängig besuchten. Sonntag hätte ich noch in einer Runde Werewolf: Paria für Fortgeschrittene (zur Erinnerung: First Level Con für Einsteiger und zum Kennenlernen von neuen Systemen!) mitspielen können, hatte aber weder auf das Spiel Lust, noch mich in eine Runde zu begeben, dich sich offensichtlich untereinander gut kannten und wohl zusammen spielten. Auch sollte die Runde um 14:30 Uhr beginnen, was bei einem geplanten Ende von 18 Uhr für die Con eher ungünstig ist.

Insgesamt hat mich die Con also nicht überzeugen können. 1 1/2 Runden in zwei Con-Tagen für mich, wenig Support von lokalen Spielern und viele Runden von etablierten Gruppen, die nicht einmal ausgehangen wurden. Ich würde mir für die nächste Con eine Besinnung auf den Namen und die Zielsetzung des Cons wünschen und weniger Community-Gekuschel. Wobei ich auch sagen muss, dass ich immer wieder interessiert bei der Earthdawn- und Eberron-Runde schauen ging und dort auch freundlich empfangen wurde und man mich auf lustige und interessante Eigenheiten der Gruppen hinwies.

Wobei ich trotzdem sagen muss, dass es ein verdammt tolles Wochenende war, denn die Leute die ich dort kennengelernt habe (Freunde meiner Lebensabschnittsgefährtin, bzw. Rollenspielkumpagen aus ihrer Studienzeit in Halle) waren alle extrem sympatisch und ein Haufen, mit dem ich ohne zu zögern wieder um die Häuser ziehen und Zocken würde. Leider erschweren die 500+km gemeinsame Aktiväten doch erheblich…

Es bleibt also für mich festzuhalten, dass ich nicht wegen des Cons an sich wieder diese Reise auf mich nehmen würde, wohl aber, um die Leute wieder zu treffen. Ich hoffe, dass mich nächstes mal dann auch die Con an sich überzeugen kann.

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1 Kommentar

  1. Ano von Rak said,

    Hallo Besucher eines der FLCs

    Ich bin einer aus der ORGA der FLC und ich muss zu geben, dass der letzte FLC nicht unbedingt der Beste war. Aber wir hatten beid er Organisation einige Stolpersteine zu überwinden, da uns wie so richtig gesagt die alte Veranstalltungsstätte abhanden gekommen war. Das Spielehaus war da unsere letzte Rettung. Doch leider konnten wir es nicht mieten, da wir kein Verein waren und auch keine entsprechende finanzielle Ausstattung hatten. Aus diesem Grund gab es eben einen Kompromiss mit dem Spielehaus, welches uns fast kostenlos die Räumlichkeiten am Sonnabendmorgen zur Verfügung stellte, aber eben abens gab es den normale Besucherverkehr, der den Betreibern Geld in die Kassen bringt. Da wir nie wussten wie die Qualität des Cons wird haben wir auch nie Geld dafür genommen, sondern einen freiwilligen Obolus eingeführt um unsere Kosten für die Raumreinigung und die Poster zudecken, als Dankeschön gab es sogar einen W20. Auf diese Weise wollten wir eben vermeiden, dass einer kommt und Preis gegen Leistung aufrechnet, die wir ja nicht garantieren konnten. Weiterhin, war es nie als echter großer CON wie man es so von richtigen CONs kennt geplant. Wie auf unserer (nicht ganz so üppigen homepage) zu lesen war ist es Ursprünglich als eine Ein-Abendveranstalltung geplant gewesen und wurde später auf die Morgenvariante ausgedehnt zu der aber meist andere Gesellschaftsspiele gezockt wurden, da die meisten eh sehr fertig waren. In der alten Lokation haben wir dann auch dort gleich geschlafen, was auch eher den Con-Charakter hatte. Naja, die 6. war die letzte, denn die meisten der Organisatoren haben Halle verlassen, aber es bleiben dennoch viele schöne Erinnerungen an die FLCs!

    und einige Neue haben wir doch für unser Hobby bekommen :O)

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