Feencon 2008 – Ein Rückblick

13. Juli 2008 at 10:39 (Con-Berichte, Rollenspiel, Tabletop) (, , , , , , , , , )

Zwei Tage Feencon liegen hinter mir und es wird Zeit für einen Rückblick. Samstag morgen ging es früh los, damit wir rechtzeitig zur Eröffnung der Con die Hallen stürmen konnten. Nach einer überraschend kurzen Autofahrt hatten wir noch Zeit uns im örtlichen Rewe Verpflegung zu kaufen. Als wir wieder an der Halle ankamen, hatte der Einlass bereits begonnen. Leider zeigte sich die Reihe der vorangemeldeten Spielleiter als die langsamere, so dass meine Begleiter vor mir auf die Con kamen. Ab in die Halle und links und rechts die üblichen Stände und Angebote liegen gelassen, gelangten wir zu den ausgehangenen Runden, die so unpraktisch wie eh und je platziert waren. Während dutzende von Leuten den Durchgang verstopften und nach Spielrunden suchten, in die sie sich eintragen konnten, wanderten wir noch etwas umher und schüttelten Hände. Glücklicherweise waren aber noch ein paar Plätze in der Savage World of Solomon Kane-Runde frei und wir trugen uns ein.

Savage World of Solomon Kane

Am Anfang wurden Charaktere erstellt, eine Praxis, die bei Cons eigentlich nicht empfehlenswert ist, bei SW aber glücklicherweise sehr schnell von statten geht. Fritz Liebknecht, mein zäher deutscher Landsknecht, war schnell gebaut und ich konnte den anderen Spielern unter die Arme greifen. Gespielt haben wir das Intro-Szenario aus dem GRW. Unsere illustre Runde aus Kämpfern gegen das Böse kam in ein Dorf, in dem einige Leute mysteriöse Tode starben. Das Ganze bot wohl viele Ansatzpunkte für Fans von Solomon Kane, da das Dorf in der Nähe des Schauplatzes der ersten Solomon Kane-Story überhaupt spielt und auch auf diese verweist. Wer die Geschichten um den puritanischen Hexenjäger jedoch wie ich nicht kennt, der stand schon mal auf dem Schlauch. Nur mit der Motivation „Hier stimmt was nicht, lasst uns herausfinden was!“ ausgestattet, machten wir uns an die Ermittlungen. Es gab einen Selbstmord aus Geldsorgen, der wohl durch das Betrügen beim Kartenspielen durch die Gruppe der mysteriös Verstorbenen ausgelöst wurde. Die Ermittlungen wurden jedoch durch einen roten Hering erschwert. Nach den Chroniken des Dorfes gab es auch vor ein paar Jahren einen finsteren Totenbeschwörer in der Gegend, der aber seiner gerechten Strafe zugeführt werden konnte, was natürlich wieder ein Verweis auf das Wirken Solomon Kanes war. Am Ende gab es dann einen Kampf mit einem Blutnebel, welcher den letzten Betrüger angriff, als dieser wieder das Dorf nach einer Geschäftsreise betrat. Der Kampf war etwas zäh, da der Nebel nur durch Charaktere angegriffen werden konnte, die er in der Runde verletzt hatte. So zog sich der Kampf gegen das übernatürliche Wesen, das den Zorn des verstorbenen, betrogenen Glücksspielers darstellte, etwas dahin. Insgesamt war das Ganze etwas unbefriedigend, da unsere Aktionen, abgesehen von dem Kampf an sich, insgesamt sinnlos waren. Der Kampf hätte sich auch genau so abgespielt, wenn wir einfach nur zwei Tage in dem Dorf ohne Aktionen gewartet und dann zu den Hilferufen des Betrügers gelaufen wären. Irritierend war es auch bisweilen, dass der SL uns zu mehr Aktionen ermahnte und aufforderte… was aber knifflig war, so ohne Ansatzpunkte und Motivation.

Heredium

Später ließen sich noch zwei meiner Begleiter ihre Charaktere als sehr knuffige „Kleine Helden“ malen, was ich definitiv auch irgendwann nachholen lasse, da die Charaktere einfach zu niedlich sind. Dann spielten wir eine Runde Heredium beim Autor. Diese Runde zog sich leider, da einer der Spieler seinen Aspekt „Individualität“ derart interpretierte, dass er entweder gegen die Gruppe oder alleine agierte. So musste der SL immer wieder hin- und herspringen, was die Spielzeit insgesamt zog. Leider kam es zu vielen Unterbrechungen, so dass ein „Flow“-Erlebnis nicht wirklich zu Stande kam. Das ist an sich sehr schade, denn Heredium ist ein gutes System und auch das Abenteuer bot viele Aktionsmöglichkeiten für die Spieler und ihre (dankenswerterweise) vorgefertigten Charaktere. Außerdem waren wir die erste Runde, die am Ende nicht in den Bau der mutierten Superwesen eindrang, um sie Angesicht zu Angesicht zu töten, sondern das Ganze von außen mit Sprengstoff geregelt hat. Übrigens waren wir auch die erste Runde, die nicht komplett ausgelöscht wurde… nun ja, ein Finale mit übermächtigen Gegnern, die man nicht zu Gesicht bekommt ist auch etwas unbefriedigend. Auf das Rollenspiel freue ich mich aber dennoch, denn die Regeln sind gut und die Welt ist NICHT dark.

Wir versuchten zwar noch Warmachine zu spielen, doch gab es entgegen der Aushänge keine Demorunden für dieses Spiel. Vielmehr lief ein Turnier, das wohl alle Warmachine-Spiel gebunden hat. Naja, dann nicht. Interessanter war es da schon, als wir versuchten in der Bad Godesberger Innenstadt mit der versammelten DORP-Meute zu essen. In dem ersten Bistro bot man uns noch vor der Speisekarte ein Notizbuch an, wo man unsere Unterschrift gegen das Rauchverbot wollte. Da man in dem Bistro aber zum einen unseren Einspruch, dass wir eigentlich für das Verbot wären, offensichtlich nicht verstand und zum anderen kein Essen mehr anbieten konnte, wechselten wir die Lokalität. So saßen wir später dann noch bei lecker Essen und Getränken zusammen, bevor wir uns wieder zur Con aufmachten. Dort warteten wir dann noch auf unseren Fahrer, der zwischenzeitlich ins Kino abgetaucht war, um Hancock zu sehen.

DSA-Workshops

Sonntag morgen trug ich mich für keine Runde ein, da ich meinen Workshop blöderweise auf 13 Uhr gelegt hatte, was so ziemlich in der Mitte von allem lag. Doof. Also saß ich morgens vor allem mit einigen Leuten zusammen, die ich nur selten sehe und dann gingen wir zu Thomas Römers Workshop über alternative Aventurien für DSA. Meine Fresse, ich habe ja schon ewig keinen DSA-Workshop mehr mitverfolgt, aber das… am Samstag hatte Römer noch „Dürfen Charaktere sterben?“ als Workshop angeboten, bei dem zwei meiner Freunde saßen. Obgleich sie große DSA-Fans sind, hörte man sie danach nur noch darüber fluchen. Es war mal wieder kein Workshop, sondern eine Märchenstunde, in der die lieben DSA-Fanboys Onkel Thomas erzählen durften, wie sie spielten. Dazu gibt es keine Diskussion oder Kritik, sondern nur das Abnicken. Man hörte da wohl dann Perlen der Spielleiterkunst wie „Spielercharaktere sollte man nicht sterben lassen, aber wenn ich als Meister etwas zeigen will, dann töte ich NSCs“. Autsch… Der Workshop über alternative Aventurien war auch nicht gerade berauschend. In einem Workshop stelle ich mir eigentlich eine Diskussion vor, aber auch hier durfte jeder etwas sagen, das dann abgenickt wurde. Den Vogel schoß aber der Typ ab, der zuerst fröhlich von seiner High Fantasy-Welt erzählte (die ziemlich nach Earthdawn klang), bis Thomas Römer mal höflich nachfragte, ob das noch mit den DSA-Rregeln gespielt wurde, was er überrascht verneinte. Wieso erzählt der das? Es ging um alternative Szenarien in Aventurien, à la Aventurien 40.000, nicht um Fantasywelten die man selbst generiert hatte. Als ich als Vorletzter mal erzählen durfte, was ich mir für Aventurien wünschen würde, sprach ich von einer Expedition auf den Südkontinent, welcher erstmal ohne Hochkulturen mit dichter Infrastruktur wie in Aventurien auskommt. Die Spieler sollen selbst eine wichtige Rolle in der Kolonisation spielen, es soll unterschiedliche Fraktionen geben, die in Konflikt miteinander stehen und nackte Wilde, die man entweder versklaven, bekehren oder integrieren kann. Thomas Römer schaute mich an und verkündete dann, dass Ulisses mir die Rollenspiel-Polizei auf den Pelz schicken würde, weil ich offensichtlich die Vorgaben der letzten Redax-Konferenz entwendet und gelesen hätte. Ja, wie geil! 🙂 Das klingt doch mal gut! Da können die sonst erwähnten Steampunk-Aventurien-, Riesland- und Aventurien 1889-Projekte einpacken. 😀 Jetzt muss das Ganze nur noch überzeugend umgesetzt werden. Das Konzept soll in zwei bis drei Bänden halb als Quellenband und halb als Kampagne verwirklicht werden. Also ich bin versucht DSA damit wieder eine Chance zu geben.

Mein Workshop

Direkt im Anschluss an den Workshop Römers kam mein Workshop „Wie man eine Rezension schreibt“. Das Dingen war wieder schlecht besucht, gerade mal sieben Leute waren da, von denen drei nicht aus meinem Freundeskreis stammten. Der ganze Workshop hat leidlich funktioniert, gerade die Frage der Objektivität wurde immer wieder eingeworfen, obwohl ich meiner Meinung nach gut dargelegt hatte, wieso es Objektivität bei der Rezension von Prosa nicht geben kann. Ich werde den Workshop wohl nicht noch mal anbieten, das Ganze war mir insgesamt nicht ergiebig genug. Irgendwann drehte sich alles nur noch im Kreis und wir kamen immer wieder auf die Diskussion zurück, ob man objektiv sein kann. Und nein, ich bin nicht der Meinung, dass man eine bessere / objektivere Meinung verfassen kann, wenn man selbst keine Ahnung von der Materie hat… 🙄

Danach war es schon halb 3 und unser Fahrer war müde, da er die ganze Nacht durch ein perverses World of Darkness-Crossover-Abenteuer mitgespielt hatte, in dem natürlich reine Spielleiterwillkür herrschte. Charakterbögen gab es keine, der SL teilte ihm mit, wann er was zu würfeln hatte und ein Schema gab es dafür auch nicht. Die Aufgabe war, ein Jungfernhäutchen, Muttermilch und die Unschuld einer Frau zu rauben… und das Ganze immer explizit und detailliert auszuspielen. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich nach den Infos über die Runde kotzen wollte… Gegen 15 Uhr traten wir dann wieder den Rückweg nach Aachen an und sparten uns die Versteigerung. Auf dem Rückweg diskutierten wir dann noch die gemeinsamen Runden (das Regelsystem von Heredium kam ziemlich gut weg), bis sich eine Taube an der Windschutzscheibe des Fahrzeugs geräuschvoll das Leben nahm. Der Fahrer reagierte schnell und so kam dankenswerterweise nur der fliegende Federbusch zu Schaden, der in hohem Bogen über das Auto segelte und dann endgültig auf der Straße aufschlug.

Fazit

Insgesamt wirkte die Con leerer als sonst und auch die Zahl der ausgeschriebenen Runden hat mich nicht vom Hocker gehauen. Im Nachhinein frage ich mich, was ich eigentlich die ganze Zeit auf der Con getrieben habe, denn viel habe ich nicht getan. Immerhin kann ich nun einige Gesichter mehr mit Namen verbinden. Einige Leute erkannten mich sogar von DORP-TV und sprachen mich auf das Projekt an. Entgegen unserer ersten Ankündigung, werden wir übrigens nicht vom Ratcon mit DORP-TV berichten, sondern erst wieder von der SPIEL.

Insgesamt kann die Feencon ihren Ruf als familiäre Con zwar verteidigen, jedoch gab es mir dieses Jahr wesentlich zu wenig Spielrunden und Workshops im Vergleich zu den letzten Jahren. Ich hoffe das bleibt ein Ausrutscher und wird nicht zum Trend.

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2 Kommentare

  1. Jens said,

    Amen 😀
    Diese WoD-Runde war aber nicht dieser ausgeschrieben Workshop da mit den erotischen Vampiren oder so? Ich hätte ihn ja wahnsinnig gern besucht wenn mich da nicht eine Runde Elyrion dran gehindert hätte 😉

  2. Scorpio said,

    Nene, das war kein Workshop. Das war eine zig Stunden dauernde WoD-Crossover-Runde bei Nobbi. Wenn ich nach deinem Blog gehe, dann hat sich Elyrion ja richtig für dich gelohnt. 😉

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