Lügen und Doppelmoral gegenüber Videospielen

19. Oktober 2009 at 14:46 (Politik, Videogames) (, , , , )

Nachdem am Samstag die moderne Form von Bücherverbrennung des Aktionsbündnisses Winnenden bemerksenswert gescheitert ist (Epic Fail würde der geneigte Internet-afine Mensch heute sagen), sollte man noch einmal den Sprecher des Aktionsbündnisses genauer analysieren. Hardy Schober ließ in verschiedenen Interviews keine Verschwörungstheorie im Rahmen der Videospiele aus. So erzählte er, dass diese „Killerspiele“ vom amerikanischen Militär erfunden wurden, um die Hemmschwelle ihrer Soldaten gegenüber Gewalt zu senken.  Das man mit „Killerspielen“ virtuell Menschen ermorden würde. Mein Lieblingskommentar ist aber der vom ZDF, wo er unzusammenhängend und in gebrochenem Deutsch versucht zu vermitteln, dass die Technik so weit sei, dass man nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden könnte.

Nun habe ich die Lüge, dass das amerikanische Militär Videospiele zur Densibilisierung einsetzt oft genug aufgezeigt und widerlegt und möchte dazu nichts mehr schreiben. Wenn man mit einem „Spiel“ tatsächlich virtuell einen Befehl dazu geben könnte, dass ein Mensch getötet wird, so wäre ich auch für ein Verbot. Das ist aber nicht der Fall. Bei der Programmierung und auch beim Spielen werden weder Menschen verletzt, noch getötet.  Und die einzigen Menschen, die Probleme bei der Rahmung von fiktiven Medieninhalten mit der Realität haben, sind die Medienkritiker.

Interessant ist auch, das praktisch überall von zwei Dutzend Spielen die Rede war. Dies meldete die deutsche Presseagentur und alle schrieben es ab. Tatsächlich fanden sich bis zum Ende der Aktion um halb fünf gerade einmal vier Spiele (zwei PS2-Spiele, GTA: San Andreas (USK 16), Def Jam Fight for New York (USK 18), das Gameboy-Modul Small Soldiers sowie das kostenlose Spiel Open Arena, das auf CD gebrannt und in der Hülle der Gruppe übergeben wurde). Die beiden PS-2-Spiele waren noch eingeschweißt und wurden für die Medien mehrmals in den Container geschmissen. Es darf vermutet werden, dass die Spiele kurzfristig gekauft wurden, damit man etwas zum Hineinwerfen hat.

Es beruhigt mich, dass eine kleine Gruppen von Leuten, die uns vor Medien schützen wollen, obwohl dafür weder Grund noch der Wunsch danach besteht, so derartig mit einer Aktion auf die Nase fallen.

Das der Kampf gegen die Doppelmoral aber noch lange nicht vorbei ist, zeigt dieser Artikel von Golem.de. Ein Bundeswehr-Offizier wird deswegen kritisiert, weil er bei der Führung einer 8. Schulklasse durch eine Bundeswehr-Schießanlage gesagt hat, dass diese viel besser als jede Konsole sei. Es hagelte daraufhin Kritik von Eltern, die zuhause versuchen ihre Schützlinge vor diesen Ballerspielen zu beschützen. Und hier muss man sich wieder einmal erst die moralische Korruption dieser Menschen begreiflich machen. Sie lassen es zu, dass ihre Kinder aus der achten Klasse eine Anlage der Bundeswehr besuchen und beschweren sich dann, dass Videospielvergleiche gezogen werden, was nicht pädagisch sei. Liebe Eltern, bei der Bundeswehr wird jungen Menschen beigebracht, wie man Menschen tötet. So richtiges Töten mit echten Waffen und so. Bevor man seine Kind also zu einem Berufsstand schickt, die das Töten von Menschen erlernt haben, sollte man sich Gedanken machen, ob das wirklich nicht so schlimm ist, wie das virtuelle Abknallen von Pixelhaufen. Aber diese Transferleistung zwischen Fiktion und Realität ist leider nicht so weit verbreitet wie man annehmen könnte.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: