Die Zukunft des Spielens?

7. März 2010 at 15:40 (Rollenspiel, Shadowrun, Videogames) (, , , )

Hier ist ein Video verlinkt, in dem Jesse Schell auf der DICE 2010 über die Möglichkeiten für Videospieldesign in der Zukunft redet. Insgesamt läuft alles darauf hinaus, dass unser Leben eine Metebene bekommt, die wie ein Rollenspiel funktioniert. In der knappen halben Stunde des englischsprachigen Vortrags wird der Erfolg der Casual-Games, die Wichtigkeit der haptischen Elemente und der Einbindung von Wirklichkeit ins Spiel sowie von psychologischen Tricks geredet, die diese Spiele so attraktiv machen.

Wenn man dies alle kombiniert, so könnte man damit ein System schaffen, dass beständig Punkte für Erfolge und Tätigkeiten vergibt. Putzt du dir morgens die Zähne? Dann gibt es Punkte von deiner Krankenkasse für Zahnbehandlungen und du wirst bei genug Punkten für ein neues Level freigeschaltet, das dir mehr Prozente auf Behandlungen gibt.

Nicht nur Fans der Augmented-Reality von Shadowrun 4 sollten vor allem beim Ende des Vortrags reinhören, um zu sehen, was damit möglich ist. Allgemein wird das Spieldesign für die Zukunft diskutiert, das ich aber bei weitem nicht so optimistisch sehe, wie Schell. Das Konzept das er prognostiziert setzt nicht auf einen sehr gläsernen Nutzer und nimmt praktisch keinen Bezug zu irgendeiner Form von Datenschutz, sondern setzt auch alle Teilnehmer am „Spiel namens Leben“ konstant und in allen Bereichen unter Druck, weil überall Konkurrenz und Wettbewerb geschaffen wird. Das kann Spaß machen und die Produktivität erhöhen, aber auch enormen negativen Stress aufbauen, da man konstant kontrolliert, verglichen und bewertet wird. Außerdem kann es natürlich auch manipuliert und missbraucht werden.

Auch wenn ich ein großer Fan von Gamerscore und Achievments bin (siehe Xbox-Tag rechts) und das Konzept der ständigen Belohnungen für Motivation großartig finde, so geht die Vision von Schell zu weit. Er redet einen Überachungsstaat schön, bei dem Menschen nur noch auf Werte reduziert und direkt miteinander verglichen werden können. Wer heute bereits unser Leben nur noch als Leistungsgesellschaft wahrnimmt, würde in so einer Welt völlig zusammenbrechen. Das würde sich irgendwann vermutlich auf so absurde Ideen wie Lebensformeln auswachsen, bei denen die verschiedensten Daten und Werte eines Menschen verrechnet werden, um seine allgemeine Leistungsfähigkeit zu errechnen.

Trotz dieser Kritik finde ich die Entwicklung im Bezug auf Spiele sehr spannend, die einen zwanglosen und unterhaltsamen Wettbewerb ermöglichen. Wären Erfolge im Rollenspiel denkbar und wenn ja, was sollen sie bringen? Ein Gedankenspiel:

Hey Roland, das war dein dritter kritischer Treffer heute abend bei D&D4! Damit erfüllst du die Bedingen für den Krit-König-Erfolg. Herzlichen Glückwunsch!

Der Spielleiter schaltet auf der Homepage des Spiels für den Account von Roland dann den Erfolg frei und er taucht dann auch in Rolands Signatur auf, die er in allen Foren verwendet. Der Erfolg ist nun einer von vielen und gesellt sich zu „Ich überlebte das Tomb of Horrors!“, den Abschluss der Sieben-Gezeichneten-Kampagne und den Meta-Erfolg für das Leiten von zehn Savage-Worlds-Spielabenden.

Auf Rolands Account kann ich nicht nur sehen, dass er in der Nähe wohnt, sondern auch, dass er bereits von 26 Personen positives Karma als Spieler erhalten hat und von keinem negatives. Damit scheint er ein sehr umgänglicher Typ zu sein, also warum sollte ich ihn nicht mal in meine Runde einladen? Seine Historie zeigt, dass er in letzter Zeit vor allem Spiele gespielt hat, die wir auch hatten, also ist die Chance groß, das wir ähnliche Interessen haben. Er hat seine Rollenspielsammlung an- und freigegeben und ich sehe, dass er auch alle Bücher hat, die wir für die Runde brauchen. Also schicke ich ihm direkt mal eine Email über das System.

Das ist die Fortführung der sozialen Netzwerke und des Spielgedankens. Neben einer besseren Vernetzung der Spieler untereinander erhalten auch Produzenten ein besseres Feedback. Wie oft taucht mein Produkt in den Sammlungen auf? Wie viele Spieler haben tatsächlich das Abenteuer zu Ende gespielt, wie viele die komplette Kampagne? Wobei man das einschränken muss, denn die Teilnahme an diesem Netzwerk müsste ebenso freiwillig sein, wie das Veröffentlichen der Angaben.

Wie findet ihr den Vortrag und wie seht ihr die Zukunft des Spielens?

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Cyberpunx – Eine Cyberpunk-Dokumentation

15. August 2009 at 20:54 (Rollenspiel, Sehen, Shadowrun) (, , )

Heute im wunderbaren Nerdcore-Blog entdeckt: Cyberpunx, eine englischsprachige Dokumentation von 1990. Die etwas mehr als Stunde andauernde Video-Doku benutzt sehr viele „technische“ Spielereien, um das Thema des Cyperpunks auch optisch besser rüberzubringen. Wirkt heute recht lustig, ebenso wie die Klamotten und Frisuren der Leute. Aber auf jeden Fall sehenswert, nicht nur für Shadowrun-Fans, die mal sehen wollen, auf welchen Ideen das Spiel beruht(e)! Denn Shadowrun kommt in der Doku vor!

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Seltsames von Shadowrun

6. November 2006 at 13:23 (Rollenspiel, Shadowrun)

Sehr Seltsames höre und lese ich über Shadowrun die Tage…

da ist z.B. der Podcast der PulpGamer, der Rob Boyle im Gespräch hat, den Line Developer von Shadowrun. Er sitzt alleine im Amerika in einem Büro, ist nachtaktiv und teilt sich die Stunden selbst ein, wann er an einem Buch arbeitet. Er hat scheinbar eine Liste mit Büchern die in der nächsten Zeit erscheinen sollen und da kann er was zu tun. Die Verbindung von Earthdawn und Shadowrun ist trotz anderslauternder Berichte von Fanpro wohl niemals zu Ende. Amerikaner machen gerne Witze über Deutsche, wie „Ver’ner“, den „teutonic overlord“ Rob Boyles. Gemeint ist natürlich Werner Fuchs, der Verlagsleiter von Fanpro. Klingt trotzdem seltsam für mich. Achja… Vampire 1st Edition beruht regeltechnisch scheinbar auf der ersten Shadowrun Edition, deswegen ist es auch legitim, wenn Shadowrun 4 regeltechnisch auf der neuen World of Darkness beruht. Alles klar?

Was ist sonst noch seltsam? Die Äußerungen des Shadowrun-Chefredakteurs im offiziellen Fanpro-Newsletter zum Beispiel! Für alle die es verpasst haben, hier der Fullquote seines Beitrags aus dem Newsletter vom 02.11.06. Die relevanten Informationen des Zitats habe ich fett markiert.

Hallo zusammen!

Herzlich willkommen in meiner Herbst-Depression. Es ist kalt, es ist nieselig, und ich würde am liebsten die nächsten sechs Monate unter der Bettdecke verbringen. Naja, einmal zwischendurch kurz aus der Höhle hervorkriechen, um Weihnachtsgeschenke abzustauben … Wann wird’s endlich wieder heller, wärmer, sonniger? Wann ist endlich wieder Sommer?

Tja, liebe Leser, meine Stimmung wird sobald wohl nicht besser, da müssen Sie jetzt aber durch, wenn Sie an den allerneuesten Shadowrun-Informationen interessiert sind (ich glaube, es ist gar nicht öffentlich bekannt, dass ich hier im Newsletter zur Verwendung des „Sie“ gezwungen werde, oder?). Keine Sorge, es wird noch schlimmer.

Genau, da war doch diese Spielmesse in Essen. Ich weiß nicht, ob Sie da gewesen sind. Ich war jedenfalls da. Und Sie werden lachen – es hat sogar Spaß gemacht. Aber wer auf jeden Fall nicht da war, war der Shadowrun-Nachwuchs. Ich gehöre jetzt nicht unbedingt zu den stärksten Befürwortern eines hohen Kniebeißer-Anteils am FanPro-Stand – diese Kids können ja auch ganz schön nervig sein – aber wenn man bedenkt, dass ich am Shadowrun-Infopoint KEIN EINZIGES MAL mit einer Person unter 18 Jahren gesprochen habe (rein äußerlich beurteilt, ich hab mir nicht die Ausweise zeigen lassen), dann gibt einem das schon zu denken. Mittlerweile bin ich mir nicht mal mehr sicher, ob das Siezen nicht vielleicht sogar angebracht ist Und wenn eine gewisse offizielle Person behauptet, die Spielmesse wäre insgesamt sehr gut besucht gewesen, dann hat sie die Zeit während der Messe wahrscheinlich woanders verbracht – wahrscheinlich in der Südsee, nach dem Aussehen zu urteilen.

Sorry. Die Herbst-Depression ist erst vorbei, wenn der Herbst vorbei ist. Also, Leute – Jungs, Mädels (man möge mir die saloppe Ausdrucksweise verzeihen), tut mir bitte einen Gefallen und führt eure jüngeren Geschwister, Neffen, Nichten, Kinder, Enkel (?) in das Shadowrun-Univerum ein. Und zwar nicht auf die handzahme Weise, sondern AUTORITÄR („Was?!? Du willst kein Shadowrun spielen? Ab auf dein Zimmer, zwei Tage Hausarrest!“), sonst bringt das eh nichts. Wenn wir nämlich nicht zu so drastischen Mitteln greifen, dann steigt der Shadowrunner-Altersdurchschnitt jedes Jahr um ein Jahr, und irgendwann treffen wir uns dann alle im Altersheim wieder, um zwischen unseren Papp-Brei-Mahlzeiten den guten alten Zeiten zu gedenken, als „wow“ noch ein Ausruf des Entzückens war.

Dabei gibt es jetzt sogar einen völlig neuen Anreiz, in das Shadowrun-Rollenspiel einzusteigen: Eine Fremdsprache zu erlernen! Das Grundregelwerk für Shadowrun-4 gibt es nun nämlich auch auf Französisch, und die nächsten beiden Titel sollen dort noch in diesem Jahr an den Start gehen. Das japanische Shadowrun folgt im nächsten Sommer („Sommer? Wer hat gerade Sommer gesagt?!? Argh …“), wie ich ja schon mal erwähnt habe. Das ist mal eine echt interessante Sprache für einen Shadowrunner. Ich hab irgendwo gelesen, dass Shadowrun auf dem angeblich veralteten Cyberpunk-Klischee von der finanziellen Allmacht Japans aufbaut. Weit gefehlt – im Shadowrun-Universum sind die Vereinigten Staaten, die Europäische Union und das aufstrebende China in viele kleine Teile zerfetzt und von der Bildfläche gefegt worden, wie wir uns erinnern, und wer bleibt da wohl als einzige Wirtschaftsmacht übrig? Bingo! Ich bin jedenfalls froh, dass ich schon vor über zwei Jahren mit dem „Japanisch-Studium“ begonnen habe, das gibt mir einen kleinen Startvorteil.

Und nun möchte ich allmählich zu den richtigen, verwertbaren Informationen kommen … Das Straßenmagie-Ergänzungsbuch ist inzwischen erschienen und Sie haben es sich gekauft. Seien Sie ruhig ehrlich! Es zu verleugnen hilft uns nicht weiter. Wer will schon auf das magische Ergänzungsregelwerk verzichten? Ich jedenfalls nicht. Leider war es das dann aber auch schon für dieses Jahr. Das SOX-Buch erscheint Januar/Februar 2007, das deutsche „Emergence“ Februar/März 2007 und das „Arsenal“ (Waffen! Fahrzeuge! Upgrades!) im März/April des nächsten Jahres. Und dann … die Meisten werden schon ahnen, was jetzt kommt … ist es auch endlich wieder Sommer („Ja!“) und die Shadowrun-Beiträge für den Newsletter nehmen wieder einen sonnigeren Touch an.

Yakusoku desu.

-Christian
(AKA Herr Schuh, Schwarzmagier und -seher)

Okay, nennt mich… sonstwie, aber dieser Text ist doch nur eine seltsame Mischung aus wirren Meinungen und uninteressantem BlaBla, oder? Das Geschreibei des Chefredakteurs fällt bereits so auf, das sich ein Rebell aus den eigenen Reihen zu Wort meldet und Ursupation andeutet!

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