Wie schreibt man eine Rezension? – Nachtrag

19. Januar 2010 at 00:04 (Lesen, Rollenspiel) (, , , , , , , , , , , , )

Aus aktuellem Anlass ein Nachtrag zum Schreiben von Rezensionen. Nachdem bei den Blutschwertern eine Rezension zum Rollenspiel Frostzone verschoben wurde, kam es zu hitzigen Diskussionen (wie hier im Tanelorn), auch um Rezensionen an sich. Der Zeitpunkt ist interessant, habe ich doch erst vor kurzem über die Krise der Kritik geschrieben.  Hier ein paar Klarstellungen von meiner Seite dazu, weil ich ja bereits vor Jahren einen Artikel darüber geschrieben habe, wie ich glaube, das Rezensionen geschrieben werden sollten.

Das Thema Rezension ist mir sehr wichtig und ich habe in den letzten Jahren auch zwei mal versucht einen Workshop auf Cons anzubieten. Auf dem Feencon saßen drei Leute drin die nicht direkt aus meinem unmittelbarem Umfeld waren und auf der RPC kam überhaupt niemand (könnte auch am parallel stattfindenden DSA-Workshop zur Zukunft Aventuriens im Nebenzelt gelegen haben… mhm…). Das Interesse an der Thematik Rezension ist also… verhalten. Hier noch ein paar Nachüberlegungen zum Thema:

Der Rollenspielbereich ist geradezu lächerlich klein und die Beträge um die es geht ein Witz. Was hier als Untergang der Glaubwürdigkeit abgefeiert wird, ist im Bereich der Videospielmagazine Alltag. In der Diskussion darum, was eine Rezension zu leisten habe, haben viele Leute geradezu lächerliche Anforderungen gestellt. Um es noch mal aus meiner Warte als Rezensent zu sagen: Ich lese jedes Rollenspielprodukt KOMPLETT bevor ich es rezensiere. Das ist das mindeste, was ich tun muss, bevor ich eine Rezension schreiben kann. Doch danach wird es schon kniffliger. Vor Brettspielrezis spiele ich den Titel mindestens einmal, eher zwei bis drei mal. Das geht deswegen, weil ich zwei mal einen festen Brettspielabend mit Leuten habe, die gerne neue und auch komplexe Spiele ausprobieren (und ja, das Brettspiel zu Battlestar Galactica ist wirklich richtig gut!). Doch wie sieht es bei Rollenspielen aus? Dank des Aachener Rollenspielstammtischs habe ich eigentlich immer Zugriff auf Leute, die gerne mal etwas testen. Eine feste Runde für neue Spiele haben wir aber nicht (von ständig wechselnden Savage-Worlds-Settings mal abgesehen) und es müssen dann Leute, ein Spielort und ein gemeinsamer Termin gefunden werden. Das ist alles recht aufwändig, wie die meisten Leser sicherlich selbst erfahren mussten. Und selbst wenn man eine Gruppe zusammenbekommt… wann ist ein Rollenspiel „genug“ gespielt, damit eine „richtige“ Rezension dazu schreiben kann? Eine Sitzung? Vier Sitzungen? Ein Jahr wöchentlichen Spielens? Muss ich die Spieler dazu bringen möglichst unterschiedliche Charaktere zu spielen, damit ich einen breiten Eindruck bekomme? Spieltests sind nicht immer möglich und auch nicht notwendig für Rezensionen von Rollenspielprodukten. Und wie soll man Settingbände testen? Alle Locations einmal besuchen lassen? Alle Plothooks spielen? Wie eine Kampagne? Erst komplett durch, dann die Rezension? Soll man in einem Jahr nur eine Rezension schreiben? Wenn interessiert der Test zu einem Band, der vor mehr als einem Jahr erschienen ist?

Professionelle Spieletester bei Videospielmagazinen spielen aus Zeitgründen die Videospiele in der Regel nicht durch, über die sie Tests schreiben. Die PC Games ist sogar so ehrlich, die Zeit die der Tester mit dem Spiel verbracht hat, direkt in den Testkasten zu packen. Dazu kommt es auch oft zu Fehlern in Videospieltests oder zu Stellen, wo der aktive Spieler nur irritiert die Stirn runzelt, weil das verhuntzte Ende oder dieses oder jenes sehr schlechte Level im Test nicht angesprochen wird. Dadurch verliert der Test und auch der Tester natürlich extrem an Glaubwürdigkeit. Letzten Monat ging ein Aufschrei durch die Videospiellandschaft, als ein Magazin aus Hongkong Final Fantasy XIII nur 40% gab (siehe zum Irrsinn der Wertungen auch den oben verlinkten Artikel „Krise der Kritik“). Der Tester schrieb tatsächlich, dass er es nur acht Stunden mit dem Spiel ausgehalten hätte und nicht verstehen könne, wie sich Leute die vollen 50 Stunden davorsetzen könnten. Wenn jemand im Rollenspielbereich schreibt, dass er das Buch nicht komplett gelesen habe, dann hagelt es (zu Recht!) Kritik. Nur: Der Rezensent hat im besten Fall ein Rezensionsexemplar erhalten, das er behalten darf. Die Redakteure die soetwas beruflich machen, verdienen ihren Lebensunterhalt damit. Deswegen erscheint mit die ganze Diskussion einfach nur lächerlich.

Wenn bei einem Videospielmagazin ein Spiel schlecht abschneidet, dann vergisst der Publisher schon mal gerne Testexemplare rechtzeitig zu senden oder es wird keine Werbung mehr im Heft geschaltet. Jeder Verriss (oder auch nur zu niedrige Wertung!) ist damit auch eine wirtschaftliche Gefährdung des Magazins an sich. Welche Existenzen können durch eine negative Rezension schon vernichtet werden, da alles quasi im privaten Umfeld erfolgt? Der Verlag schickt im schlimmsten Fall keine Rezensionexemplare mehr. Zugegebenermaßen hat sich der NackterStahl-Verlag ja nicht unbedingt den besten Ruf erarbeitet und gilt als recht verklagungsfreudig. Trotzdem bezweifle ich, dass man wegen einer negativen Rezension Rechtsmittel einlegen kann, solange keine Beleidigungen („Die vom Verlag haben alle doofe Ohren!“) oder Verleumnungen / Lügen („Das Lesen des Buches hat bei mindestens zwei Personen Strahlung verursacht, kauft es nicht!“) vorliegen.

Rezensionen sind immer subjektive Betrachtungsweisen eines Produkts. Während man LKW A einfach mit LKW B vergleichen und die technischen Daten nebenan stellen kann, ist dies bei einem Rollenspiel, Videospiel oder Roman überhaupt nicht möglich. Man muss anhand der Argumentführung des Autors entscheiden, ob man ihm zustimmt oder nicht. Der Autor steht mit seinem Namen für seine Kritik ein. Im Blog von Roland Austinat, einem der Veteranen des deutschen Videospieljournalismus, beklagt er, dass es heutzutage viel zu viele Tester geben würde. Als in den 80ern angefangen wurde Spieletests in Magazinen zu veröffentlichen, gab es nur eine Handvoll. Leser kannten die Vorlieben und Eigenheiten der Redakteure und konnten dadurch auch leichter einschätzen, ob das Spiel etwas für sie war. Wenn ich sehe, dass Björn Lippold in der Mephisto ein D&D4-Produkt rezensiert hat, dann weiß ich bevor ich den Test gelesen habe, dass am Ende ein „das ist nichts für richtige Rollenspieler“TM dabei herauskommt. Das war bislang immer so. Ich weiß dann, dass er andere Anforderungen an die Produkte stellt, als ich es beispielsweise tun würde und das hilft mir bereits. Erst seitdem ich die GEE lese, die nicht einmal Fotos ihrer Redakteure abdruckt, habe ich erkannt, wie wichtig der Name des Kritikers sein kann. Er steht dafür ein, er schreibt seinen Namen unter den Test und packt sein Bild dran um zu sagen „Ich stehe dazu!“. Wenn so etwas fehlt… und das tut es sehr oft in der Internetlandschaft.

Mein Name ist Michael Mingers und manche nennen mich auch Scorpio. Und ich stehe zu meinen Rezensionen.

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Feencon 2009 – Ein Rückblick

30. Juli 2009 at 14:41 (Con-Berichte, Dungeons & Dragons, Rollenspiel, Savage Worlds) (, , , , , , , )

Auch wenn ich etwas spät dran bin, wollte ich doch auch noch einen subjektiven Rückblick auf die Bonner Großcon des GfR werfen. Über die Besuchszahlen kann ich nur spekulieren, aber es wirkte in den Gängen etwas leerer als in den letzten Jahren, was auch an einer verbesserten Organisation der Runden-Aushänge gelegen haben könnte. Dieses waren dieses Jahr zum ersten Mal an den Treppen zum Keller untergebracht, statt in den Gängen um den Flohmarkt, was die Haupthalle sehr entlastete. Übrigens fand 2009 auch das 20-jährige Jubiläum der Feencon statt, bei dem es leider auch zum ersten Mal in der Geschichte des Cons regnete! Skandal!

Weit erfreulicher war da schon, dass die nette Orga der DORP einen eigenen Stand zugebilligt hatte, den wir uns dann mit Moritz „Herr der Labyrinthe“ Mehlem teilten. Dort konnte man uns dann auch die Con über immer wieder antreffen, mit uns plaudern, in den ausgedruckten Auslageexemplaren unserer Downloads blättern oder die obszönen Kritzeleien unseres Zeichners Markus Heinen bewundern.

Zum Spielen bin ich aber trotzdem gekommen. So konnte ich zum Beispiel eine D&D4-Runde leiten, um einigen Labyrinth-Lord-Spielern (darunter Moritz) mal zu zeigen, wie man 2009 spielt. Das Bild der Runde zeigt eigentlich alles was Dungeons & Dragons für mich so toll macht. Battlemap, Figure-Flats, gebannt dreinschauende Spieler und ein erklärender SL (meine Wenigkeit). Das letzte der drei Encounter war etwas kniffliger und am Ende lagen drei der fünf Charaktere sterbend am Boden, wobei aber schlußendlich nur der Halbling-Schurke in das Reich der Raven Queen gelangte. Ich als SL und auch meine Spieler hatten wohl Spaß an den Gefechten und den Fähigkeiten der einzelnen Kreaturen und auch einige Zuschauer fragten interessiert nach, ob ich denn nicht noch mal D&D4 leiten würde. Aber irgendwie hatte ich den Eindruck, als käme Moritz mit der vierten Edition nicht so ganz zu Recht. Andererseits verstehe ich ja aber auch Labyrinth Lord nicht so ganz (Blog-Eintrag dazu folgt). 😉

Ansonsten habe ich nur Brett- und Kartenspiele probiert. Space Alert von den Heidelbergern war ein großer Spaß, den ich inzwischen auch angeschafft und rezensiert habe. Pandemie von Pegasus war da weit gemütlicher, aber als kooperatives Spiel auch nicht übel. Das wäre aber eher etwas, dass ich Gelegenheitsspielern vorsetzen würde. Munchkin Freibeuter war wie das normale Munchkin, nur halt mit amüsanten Akzenten statt Rassen und dazu passenden Ausrüstungsgegenständen. Den „Herumfuchtelhut“ für meinen französischen Freibeuter hat mir zumindest ein Schmunzeln abringen können, auch wenn es dem Spiel nach wie vor für meinen Geschmack zu sehr an Dynamik fehlt.

Ansonsten habe ich die Convention vor allem für Kommunikation genutzt, DORP-intern wie -extern. Immerhin sehe ich viele der DORP-Nasen nur drei bis vier mal im Jahr, da holt man gerne mal ein paar Gespräche auf. Aber auch mit Verlagen wurde geredet, DORP-TV-Interviews auf der SPIEL geplant und ganz einfach freundschaftlich geplappert. Dabei fiel mir am Stand vom Prometheus Games etwas besonderes auf! Da drucken Prometheus Games den Überlebensleitfaden für den Kampf für Savage Worlds und weisen nicht darauf hin! Den im Stile der Gentleman’s Edition gehaltene Leitfaden gab es als kostenlose Auslage am Stand der Feuerbringer. Übrigens gibt es auf der Rückseite auch den Player’s Sheet, auf dem die Ablageflächen für Spielmaterial sowie eine kurze Übersichtstabelle für Steigerungen zu sehen sind. So braucht man aber eigentlich zwei Blätter, da man die Spielunterlage ja nicht mehr nutzen kann, wenn man den Überlebensleitfaden lesen möchte… aber was soll’s! Prometheus Games gibt das Blatt ja kostenlos heraus! Jetzt muss es nur noch (auch in einer druckerfreundlichen Variante) als Download kommen, damit diejenigen die nicht auf Cons gehen, auch davon profitieren können.

Apropo Mitnahme: Beim Heidelberger Spieleverlag verramschte man auch die Mutant-Chronicle-Miniature-Sets für lockere 5 Euronen pro Stück. Jetzt schmücken einige Bauhaus-, Bruderschafts- und Dunkle-Legion-Soldaten meine Wohnung. Weitere Schnäppchen waren der Kampagnenband Tattered Fates für Dark Heresy, dessen ersten Teil ich bereits letzte Woche leiten konnte sowie Roter November, ebenfalls von Heidelberger. Ja, kooperative Brettspiele finde ich aktuell eben total toll! Ansonsten konnte ich bei der Tobola dieses mal richtig abstauben und ein amerikanisches Grundregelwerk von Shadowrun 4 (in grässlichem neon-grün) sowie den GURPS Ogre-Quellenband abstauben.

Alles in allem eine tolle Con, die einmal mehr mit familiärer Atmosphäre und extrem vielen Spielrunden punkten konnte. Nächstes Jahr gerne wieder, nur dann bitte wieder mit schönem Wetter. 😉

Als nächstes geht es Ende August auf die Ratcon nach Dortmund! Leider kann ich nur Samstags auf dem Rollenspieltreffen sein, da ich am Sonntag als Wahlhelfer in meinem Heimatort die Einhaltung  demokratischer Strukturen überwachen muss. Eine Rollenspielcon auf das Wochenende der Bundestagswahl zu legen ist vielleicht nicht ganz so geschickt, aber eine Woche früher und man hätte sich mit der gamescom in Köln gebissen, die ich wohl auch besuchen werde.

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Feencon 2008 – Ein Rückblick

13. Juli 2008 at 10:39 (Con-Berichte, Rollenspiel, Tabletop) (, , , , , , , , , )

Zwei Tage Feencon liegen hinter mir und es wird Zeit für einen Rückblick. Samstag morgen ging es früh los, damit wir rechtzeitig zur Eröffnung der Con die Hallen stürmen konnten. Nach einer überraschend kurzen Autofahrt hatten wir noch Zeit uns im örtlichen Rewe Verpflegung zu kaufen. Als wir wieder an der Halle ankamen, hatte der Einlass bereits begonnen. Leider zeigte sich die Reihe der vorangemeldeten Spielleiter als die langsamere, so dass meine Begleiter vor mir auf die Con kamen. Ab in die Halle und links und rechts die üblichen Stände und Angebote liegen gelassen, gelangten wir zu den ausgehangenen Runden, die so unpraktisch wie eh und je platziert waren. Während dutzende von Leuten den Durchgang verstopften und nach Spielrunden suchten, in die sie sich eintragen konnten, wanderten wir noch etwas umher und schüttelten Hände. Glücklicherweise waren aber noch ein paar Plätze in der Savage World of Solomon Kane-Runde frei und wir trugen uns ein.

Savage World of Solomon Kane

Am Anfang wurden Charaktere erstellt, eine Praxis, die bei Cons eigentlich nicht empfehlenswert ist, bei SW aber glücklicherweise sehr schnell von statten geht. Fritz Liebknecht, mein zäher deutscher Landsknecht, war schnell gebaut und ich konnte den anderen Spielern unter die Arme greifen. Gespielt haben wir das Intro-Szenario aus dem GRW. Unsere illustre Runde aus Kämpfern gegen das Böse kam in ein Dorf, in dem einige Leute mysteriöse Tode starben. Das Ganze bot wohl viele Ansatzpunkte für Fans von Solomon Kane, da das Dorf in der Nähe des Schauplatzes der ersten Solomon Kane-Story überhaupt spielt und auch auf diese verweist. Wer die Geschichten um den puritanischen Hexenjäger jedoch wie ich nicht kennt, der stand schon mal auf dem Schlauch. Nur mit der Motivation „Hier stimmt was nicht, lasst uns herausfinden was!“ ausgestattet, machten wir uns an die Ermittlungen. Es gab einen Selbstmord aus Geldsorgen, der wohl durch das Betrügen beim Kartenspielen durch die Gruppe der mysteriös Verstorbenen ausgelöst wurde. Die Ermittlungen wurden jedoch durch einen roten Hering erschwert. Nach den Chroniken des Dorfes gab es auch vor ein paar Jahren einen finsteren Totenbeschwörer in der Gegend, der aber seiner gerechten Strafe zugeführt werden konnte, was natürlich wieder ein Verweis auf das Wirken Solomon Kanes war. Am Ende gab es dann einen Kampf mit einem Blutnebel, welcher den letzten Betrüger angriff, als dieser wieder das Dorf nach einer Geschäftsreise betrat. Der Kampf war etwas zäh, da der Nebel nur durch Charaktere angegriffen werden konnte, die er in der Runde verletzt hatte. So zog sich der Kampf gegen das übernatürliche Wesen, das den Zorn des verstorbenen, betrogenen Glücksspielers darstellte, etwas dahin. Insgesamt war das Ganze etwas unbefriedigend, da unsere Aktionen, abgesehen von dem Kampf an sich, insgesamt sinnlos waren. Der Kampf hätte sich auch genau so abgespielt, wenn wir einfach nur zwei Tage in dem Dorf ohne Aktionen gewartet und dann zu den Hilferufen des Betrügers gelaufen wären. Irritierend war es auch bisweilen, dass der SL uns zu mehr Aktionen ermahnte und aufforderte… was aber knifflig war, so ohne Ansatzpunkte und Motivation.

Heredium

Später ließen sich noch zwei meiner Begleiter ihre Charaktere als sehr knuffige „Kleine Helden“ malen, was ich definitiv auch irgendwann nachholen lasse, da die Charaktere einfach zu niedlich sind. Dann spielten wir eine Runde Heredium beim Autor. Diese Runde zog sich leider, da einer der Spieler seinen Aspekt „Individualität“ derart interpretierte, dass er entweder gegen die Gruppe oder alleine agierte. So musste der SL immer wieder hin- und herspringen, was die Spielzeit insgesamt zog. Leider kam es zu vielen Unterbrechungen, so dass ein „Flow“-Erlebnis nicht wirklich zu Stande kam. Das ist an sich sehr schade, denn Heredium ist ein gutes System und auch das Abenteuer bot viele Aktionsmöglichkeiten für die Spieler und ihre (dankenswerterweise) vorgefertigten Charaktere. Außerdem waren wir die erste Runde, die am Ende nicht in den Bau der mutierten Superwesen eindrang, um sie Angesicht zu Angesicht zu töten, sondern das Ganze von außen mit Sprengstoff geregelt hat. Übrigens waren wir auch die erste Runde, die nicht komplett ausgelöscht wurde… nun ja, ein Finale mit übermächtigen Gegnern, die man nicht zu Gesicht bekommt ist auch etwas unbefriedigend. Auf das Rollenspiel freue ich mich aber dennoch, denn die Regeln sind gut und die Welt ist NICHT dark.

Wir versuchten zwar noch Warmachine zu spielen, doch gab es entgegen der Aushänge keine Demorunden für dieses Spiel. Vielmehr lief ein Turnier, das wohl alle Warmachine-Spiel gebunden hat. Naja, dann nicht. Interessanter war es da schon, als wir versuchten in der Bad Godesberger Innenstadt mit der versammelten DORP-Meute zu essen. In dem ersten Bistro bot man uns noch vor der Speisekarte ein Notizbuch an, wo man unsere Unterschrift gegen das Rauchverbot wollte. Da man in dem Bistro aber zum einen unseren Einspruch, dass wir eigentlich für das Verbot wären, offensichtlich nicht verstand und zum anderen kein Essen mehr anbieten konnte, wechselten wir die Lokalität. So saßen wir später dann noch bei lecker Essen und Getränken zusammen, bevor wir uns wieder zur Con aufmachten. Dort warteten wir dann noch auf unseren Fahrer, der zwischenzeitlich ins Kino abgetaucht war, um Hancock zu sehen.

DSA-Workshops

Sonntag morgen trug ich mich für keine Runde ein, da ich meinen Workshop blöderweise auf 13 Uhr gelegt hatte, was so ziemlich in der Mitte von allem lag. Doof. Also saß ich morgens vor allem mit einigen Leuten zusammen, die ich nur selten sehe und dann gingen wir zu Thomas Römers Workshop über alternative Aventurien für DSA. Meine Fresse, ich habe ja schon ewig keinen DSA-Workshop mehr mitverfolgt, aber das… am Samstag hatte Römer noch „Dürfen Charaktere sterben?“ als Workshop angeboten, bei dem zwei meiner Freunde saßen. Obgleich sie große DSA-Fans sind, hörte man sie danach nur noch darüber fluchen. Es war mal wieder kein Workshop, sondern eine Märchenstunde, in der die lieben DSA-Fanboys Onkel Thomas erzählen durften, wie sie spielten. Dazu gibt es keine Diskussion oder Kritik, sondern nur das Abnicken. Man hörte da wohl dann Perlen der Spielleiterkunst wie „Spielercharaktere sollte man nicht sterben lassen, aber wenn ich als Meister etwas zeigen will, dann töte ich NSCs“. Autsch… Der Workshop über alternative Aventurien war auch nicht gerade berauschend. In einem Workshop stelle ich mir eigentlich eine Diskussion vor, aber auch hier durfte jeder etwas sagen, das dann abgenickt wurde. Den Vogel schoß aber der Typ ab, der zuerst fröhlich von seiner High Fantasy-Welt erzählte (die ziemlich nach Earthdawn klang), bis Thomas Römer mal höflich nachfragte, ob das noch mit den DSA-Rregeln gespielt wurde, was er überrascht verneinte. Wieso erzählt der das? Es ging um alternative Szenarien in Aventurien, à la Aventurien 40.000, nicht um Fantasywelten die man selbst generiert hatte. Als ich als Vorletzter mal erzählen durfte, was ich mir für Aventurien wünschen würde, sprach ich von einer Expedition auf den Südkontinent, welcher erstmal ohne Hochkulturen mit dichter Infrastruktur wie in Aventurien auskommt. Die Spieler sollen selbst eine wichtige Rolle in der Kolonisation spielen, es soll unterschiedliche Fraktionen geben, die in Konflikt miteinander stehen und nackte Wilde, die man entweder versklaven, bekehren oder integrieren kann. Thomas Römer schaute mich an und verkündete dann, dass Ulisses mir die Rollenspiel-Polizei auf den Pelz schicken würde, weil ich offensichtlich die Vorgaben der letzten Redax-Konferenz entwendet und gelesen hätte. Ja, wie geil! 🙂 Das klingt doch mal gut! Da können die sonst erwähnten Steampunk-Aventurien-, Riesland- und Aventurien 1889-Projekte einpacken. 😀 Jetzt muss das Ganze nur noch überzeugend umgesetzt werden. Das Konzept soll in zwei bis drei Bänden halb als Quellenband und halb als Kampagne verwirklicht werden. Also ich bin versucht DSA damit wieder eine Chance zu geben.

Mein Workshop

Direkt im Anschluss an den Workshop Römers kam mein Workshop „Wie man eine Rezension schreibt“. Das Dingen war wieder schlecht besucht, gerade mal sieben Leute waren da, von denen drei nicht aus meinem Freundeskreis stammten. Der ganze Workshop hat leidlich funktioniert, gerade die Frage der Objektivität wurde immer wieder eingeworfen, obwohl ich meiner Meinung nach gut dargelegt hatte, wieso es Objektivität bei der Rezension von Prosa nicht geben kann. Ich werde den Workshop wohl nicht noch mal anbieten, das Ganze war mir insgesamt nicht ergiebig genug. Irgendwann drehte sich alles nur noch im Kreis und wir kamen immer wieder auf die Diskussion zurück, ob man objektiv sein kann. Und nein, ich bin nicht der Meinung, dass man eine bessere / objektivere Meinung verfassen kann, wenn man selbst keine Ahnung von der Materie hat… 🙄

Danach war es schon halb 3 und unser Fahrer war müde, da er die ganze Nacht durch ein perverses World of Darkness-Crossover-Abenteuer mitgespielt hatte, in dem natürlich reine Spielleiterwillkür herrschte. Charakterbögen gab es keine, der SL teilte ihm mit, wann er was zu würfeln hatte und ein Schema gab es dafür auch nicht. Die Aufgabe war, ein Jungfernhäutchen, Muttermilch und die Unschuld einer Frau zu rauben… und das Ganze immer explizit und detailliert auszuspielen. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich nach den Infos über die Runde kotzen wollte… Gegen 15 Uhr traten wir dann wieder den Rückweg nach Aachen an und sparten uns die Versteigerung. Auf dem Rückweg diskutierten wir dann noch die gemeinsamen Runden (das Regelsystem von Heredium kam ziemlich gut weg), bis sich eine Taube an der Windschutzscheibe des Fahrzeugs geräuschvoll das Leben nahm. Der Fahrer reagierte schnell und so kam dankenswerterweise nur der fliegende Federbusch zu Schaden, der in hohem Bogen über das Auto segelte und dann endgültig auf der Straße aufschlug.

Fazit

Insgesamt wirkte die Con leerer als sonst und auch die Zahl der ausgeschriebenen Runden hat mich nicht vom Hocker gehauen. Im Nachhinein frage ich mich, was ich eigentlich die ganze Zeit auf der Con getrieben habe, denn viel habe ich nicht getan. Immerhin kann ich nun einige Gesichter mehr mit Namen verbinden. Einige Leute erkannten mich sogar von DORP-TV und sprachen mich auf das Projekt an. Entgegen unserer ersten Ankündigung, werden wir übrigens nicht vom Ratcon mit DORP-TV berichten, sondern erst wieder von der SPIEL.

Insgesamt kann die Feencon ihren Ruf als familiäre Con zwar verteidigen, jedoch gab es mir dieses Jahr wesentlich zu wenig Spielrunden und Workshops im Vergleich zu den letzten Jahren. Ich hoffe das bleibt ein Ausrutscher und wird nicht zum Trend.

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