Regine Pfeiffer (Nachtrag)

21. Oktober 2010 at 00:30 (Politik, Videogames) (, , )

Gerade habe ich die Antwort von Frau Pfeiffer und ihrem Mitarbeiter in ihrem Blog gefunden. Ich hatte vor knapp einem Monat etwas zu ihr und dem Beitrag zu FrauTV geschrieben, auf den Frau Pfeiffer Bezug nimmt. Die Anmerkungen von David Klinkhammer lassen ein fragwürdiges Demokratiebild zu, aber Frau Pfeiffer gelingt wieder einmal, dass man an ihrem Geisteszustand zweifeln muss. Es ist meiner Meinung nicht mehr notwendig und vergebene Liebesmüh, ihre wirren Gedanken zu sortieren und zu kommentieren. Ihr Beitrag spricht für sich. Es beginnt bei dem extremen Sexismus und positivem Rassismus, dass sie alleine die Option kritisiert, dass man gegen Frauen und ethnische Gruppen (in diesem Fall Juden) vorgehen KANN, wobei sie die Gewalt gegen andere nicht thematisiert. Dass sie bei der Szene aus Heavy Rain davon spricht, dass es ein Skandal sei,  „dieses Bild in die Köpfe von Jugendlichen zu bringen“ zeigt ein Weltbild, das ich nur abstoßend und widerlich finde.

Möchte sie wirklich eine schöne und saubere Medienlandschaft, in der das hässliche unsere Welt, der Wahnsinn und die Verbrechen keinen Platz haben? Sollte Günther Grass‘ Katz und Maus für die Masturbationsszene eines Jugendlichen auch verboten werden? Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen oder Im Westen nichts Neues von Erich Maria Remarque, weil sie völlig abartige Kriegsverbrechen schildern? Oh, ich vergaß. Das sind Werke der Weltliteratur und Kunst und sowieso gedruckt und damit Kultur. Wenn man als Spieler aktiv so etwas in einem Videospiel tut, findet das natürlich nicht mit dem Abstand des Rezipienten statt und dient womöglich gar nur (*gasp*!) der schnöden Unterhaltung, auch wenn es ähnliche Strukturen hat und vom Rezipienten ähnlich verstanden werden KANN. Denn dieses KANN ist in beiden Texte, sowohl vom Herrn Klinkhammer, wie auch bei Frau Pfeiffer das ausschlaggebende Element. Das KANN Jugendlichen in die Hände fallen (übrigens weit schwieriger als Bücher, die natürlich als Kulturwerke keine Jugendfreigaben haben), aber das können auch verstörende Bücher wie die oben genannten. Bisweilen werden diese ja auch in der Schule besprochen (American Psycho von Bret Easton Ellishabe ich mir erst gekauft, als mein Deutschlehrer es vorstellte und erklärte, wie widerlich es doch sei…)… ihre Argumentation zielt also darauf ab, dass etwas jugendgefährdendes aus Medien entfernt werden sollte, weil Jugendliche es dennoch erreichen KÖNNTEN. Das ist das alte Argument, dass man Steaks abschaffen sollte, weil ein Baby es nicht kauen könnte. Von Verboten von Zigaretten und Alkohol habe ich nie gehört, auch wenn Jugendliche diese (entgegen der Gesetze!) konsumieren und eine nachweislich physische Schädigung zur Folge haben. Oder Autos verbieten, weil es so viele Verkehrstote gibt. 2008 z.B. 4.477 in Deutschland, übrigens die geringste Zahl seit 1950. Hier gilt auch wieder das Spiel mit Zahlen, dass so gerne für Panikmache sorgt. 4.477 Unfalltote im Jahr in Deutschland klingt nicht so schlimm wie 12 pro Tag (abgerundet). Es ist dabei egal, ob Frau Pfeiffer wieder behauptet, dass es keine Studien gäbe, die einen monokausalen Zusammenhang zwischen Videospielen und späteren Taten nachweisen (was sie durch die direkt darauf folgende Anmerkung zu den beiden Autofahrt-Studien dann gleich ad absurdum führt und gleichzeitig auch mal wieder nicht die Studien nennt, die das exakte Gegenteil nachgewiesen haben wollen), es geht darum, dass alleine ein Zusammenhang zwischen Medien und deren langfristiger Wirkung auf ihren Rezipienten unterstellt wird. Indem man sich vom extremen Standpunkt der Monokausalität distanziert, geht man rhetorisch auf den Verteidiger der Medien zu und nimmt ihm so etwas Luft aus den Segeln, auch wenn die Grundannahme weiterhin fragwürdig bleibt. Geschickt, wenn ich auch nicht weiß, ob dies so gewollt ist.

Wir halten fest: In der Weltsicht der beiden oben verlinkten Artikel ist es okay, wenn mündigen Erwachsene Inhalte vorenthalten werden, weil die Chance besteht, dass Jugendliche diese ebenfalls rezipieren könnten und dadurch möglicherweise eine Schädigung auftreten könnte.

Was mich aber viel mehr aufregt sind Abschnitte wie: „Wer braucht so etwas?“ oder „Darüber hinaus denke ich, um etwas konkreter zu werden, dass Red Dead Redemption auch ohne die Möglichkeit (oder die Bedingung für eine Trophäe/Archievement) eine Frau gefesselt vor einen Zug zu legen ein faszinierendes Spiel wäre und niemand eine solche Funktion vermisst hätte.“ Der Tenor hier ist klar: „“Mir gefällt das nicht. Wieso lässt unsere Gesellschaft das dann zu? Wieso darfst du etwas rezipieren, was mir nicht gefällt?“ Und das finde ich undemokratisch, widerlich und verachtenswert.
Würde jemand den Penis von Michelangelos David vermissen? Wäre es ein geringeres Kunstwerk, wenn er eine Hose tragen würde? Wäre Goethes Götz von Berlichingen ein besseres Werk, wenn der folgende Satz nicht enthalten wäre? „Sag deinem Hauptmann: Vor Ihro Kaiserliche Majestät hab ich, wie immer, schuldigen Respekt. Er aber, sag’s ihm, er kann mich im Arsche lecken!“ Könnte man bei Panzerkreuzer Potemkin von Sergei Eisenstein auf die Szene mit dem wegrollenden Kinderwagen verzichten und wäre es dann ein besseres Werk?
Die Antwort? Keine Ahnung, denn sie sind trotz oder vielleicht sogar wegen dieser Elemente enorm wichtige Kulturdenkmäler geworden, die heute tausendfach referenziert und verstanden werden.

Der Artikel von Frau Pfeiffer und ihrem Mitarbeiter demonstrieren weit besser, als ich es in irgendwelchen Beiträgen darlegen könnte, dass es nicht um die Inhalte geht, sondern um die moralinsaure Diskussion darüber, wer bestimmen darf, was in unserer Gesellschaft Kunst und Kultur ist und was nicht. Die Diskussion über eine mögliche Gefährdung von Jugendlichen verkommt dadurch zu einem Rechtfertigungsdiskurs, bei dem sich mündige Erwachsene für das, was ihnen gefällt rechtfertigen müssen.

Und darauf habe ich als mündiger Bürger eigentlich nur eine Antwort: Frau Pfeiffer, was geht sie das an, was ich in meiner Freizeit mache und gut finde?

 

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Verschwörungstheoretiker der Mediengewaltforschung II: Regine Pfeiffer

26. September 2010 at 14:46 (Politik, Videogames) (, , , , , , , , , , , )

Der Familie Pfeiffer kann man eine schlechte mediale Inszenierung wahrlich nicht vorwerfen! Während Christian Pfeiffer nach seiner Zeit als Justizminister von Niedersachsen als Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens tätig wurde, sicherte sich seine Schwester Regine Pfeiffer nach ihrer Tätigkeit als Lehrerin eine Tätigkeit als freie Mitarbeiterin in eben jener Institution. Zufall? Nunja, die charmante Pädagogin Ende 60 hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Welt über die Gefahren von Videospielen zu informieren. Sie ist laut Eigenaussage „Fachfrau für Computerspiele“, jedoch ohne Videospiele selbst zu spielen. Bekannt wurde sie vor allem wegen ihrer Aussage über die „Schweinefirma EA“. Dazu hatte sie in dem Blog, den sie sich hat einrichten lassen, auch noch mal etwas zu geschrieben.

Der eigentliche Grund, wieso ich etwas über Frau Pfeiffer schreiben möchte, war diese Woche der Beitrag bei FrauTV, den man inhaltlich auch hier noch einmal komplett nachlesen kann, wenn der (öffentlich-rechtlich finanzierte) Beitrag mal wieder bei Youtube gelöscht wird (wobei der Text wegen der unseeligen Praxis des Depublizierens auch vielleicht bald weg ist). Es ist beängstigend, wenn man sieht, wie sehr Frau Pfeiffer Einfluss auf die Redaktion dieses Beitrags genommen hat, bzw. wie unkritisch die Mitarbeiter(innen) den Infos von Frau Pfeiffer erlegen sind. Dabei ist das nicht so ungewöhnlich, denn Frau Pfeiffer ist  eine geschickte Rhetorikerin die im Gespräch immer sehr freundlich und engagiert wirkt. Aber sie ist auch eine alte Lehrerin und damit gewohnt, dass sie redet und kein anderer. Und das man ihr nicht widerspricht. Ich hatte nun bereits zwei mal die Gelegenheit, mich mit Frau Pfeiffer länger unterhalten zu können. Und das muss man ihr einfach auch hoch anrechnen, sie sucht den Dialog mit den Spielern (von Angesicht zu Angesicht und in Foren). Wobei man besser sagen sollte, dass sie sich gerne dazu bereit erklärt, Spielern etwas zu erklären, denn einen Dialog kann man das nicht unbedingt nennen. Auch ihre Präsentationen sind wirr und kaum zu verfolgen, da sie Powerpoint hasst, weil es „das Denken zu sehr einschränkt“. Stattdessen verwendet sie aufwändige Konstrukte, in denen sie nach Belieben herumspringen kann, um bestimmte Aspekte zu verdeutlichen, die ihr gerade durch den Kopf gehen. Dabei wird gerne von Gewalt gegen Frauen in GTA, zur Spielsucht von WoW und zur Fettleibigkeit durch Videospiele allgemein gesprungen. Für Frau Pfeiffer ist das alles ein Thema. Ihre eigene Art zu diskutieren wurde mir zum ersten mal deutlich, als ich sie während meines Praktikums bei der Games Aktuell 2009 befragen konnte (hier mein geschönter Bericht dazu) und später auch auf der gamescom 2009, wo wir sie zwischen zwei Terminen abfangen konnten.

Und meine ganze Kritik an dem Werk der Frau und ihrem Wesen wird in dem unsachlichen Bericht von FrauTV deutlich. Neben den üblichen Fehlern eines Fernsehberichts über Videospiele (Der Pate ist eine der beliebtesten Spielereihen der Welt? Heavy Rain ist kein PC-Spiel, sondern exklusiv für die Playstation 3 erschienen), kommt ein derart starker Feminismus rüber, den ich eigentlich für überstanden gehalten hatte… es wird über Gewalt gegen Frauen im Speziellen geredet und dafür wie üblich ein passender Zusammenschnitt präsentiert, der den Kontext nicht erklärt. Ich finde die Idee, dass Gewalt gegen Frauen kritischer gesehen werden sollte, als gegen andere Menschen (sprich Männer) schon ziemlich sexistisch. Unentschuldbar ist auch, dass die Szene aus Heavy Rain (nicht nur das Ende verrät, sondern auch) den Kontext der Szene nicht vermittelt. Der off-Kommentar spricht von einer besonders widerwärtigen Szenen, in der die Frau ausgeliefert ist. Was verschwiegen wird ist aber, dass der Spieler die Frau steuert und diese Szene aus ihrer Sicht erlebt, wie schon im Spiel zuvor. Es handelt sich also nicht um eine Foltersimulation für perverse Spieler wie der Bericht suggiert. Damit kommt es zu einer (bewussten) Fehlinformation des Zuschauers, der sie empfänglich für die Botschaften von Frau Pfeiffer macht, denn um nichts anderes geht es in dem Bericht. Frau Pfeiffer macht sich dieses Kunstgriff auch zu Nutze, indem sie dekontextualisierte Gewaltzusammenschnitte präsentiert, bevor sie ihre Thesen präsentiert. Es ist der „pornografische Blick“, der nur das überinterpretiert und interpretiert, was er sieht, ohne einen Zusammenhang zum Rest des Spiels bzw. der Erzählung zu setzen. Dabei wird fröhlich zwischen der fiktiven Gewalt der Videospielszenarien und der Realität gesprungen und auch die Leiterin der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien darf noch mal in die Kamera sagen, dass sie mit dem Stand der Wissenschaft nicht vertraut sind, sondern nur das lesen, was ihren Job sichert (sprich Gewalt im Spiel macht Spieler gewalttätig).

Aber zurück zu Red Dead Redemption und der Frau vor dem Zug. Es ist ein übliches Motiv in klassischen Western, das gefesselte Frauen von dem Schurken vor Züge gelegt werden, damit der Held sie retten kann. Das Achievment / die Trophäe heißt ja deswegen auch „Dastardly“, also Heimtückisch. Übrigens handelt es sich dabei um einen geheimen Erfolg. Man kann also nicht in der Liste des Spiels nachsehen und gezielt darauf hinarbeiten, dies zu erfüllen. Das tut man entweder von sich aus, oder man informiert sich gezielt über die Erfolge des Spiels, wenn man alle Erfolge haben möchte. Wobei genau dieser Erfolg auch in der Videospielszene diskutiert wurde, beispielweise in diesem Webcomic.

Was Frau Pfeiffer in dem Beitrag ja offen kritisiert, ist alleine die Möglichkeit, so etwas zu tun. Bereits in den Gesprächen bei der Games Aktuell ging es um Bioshock und das Retten, bzw. Ernten der Little Sisters, was für Frau Pfeiffer eine Metapher für Missbrauch war. So wie ich es verstanden habe, sieht sie alleine die Option auf, aus ihrer Sicht, unmoralische Entscheidungen, bereits als pervers an. Sie kritisiert also nicht mehr nur das, was der Spieler tut, sondern was er tun könnte. Graubereiche ohne ein klares Gut/Böse-Schema, in denen der Spieler selbstverständlich die Rolle des Guten übernehmen müsste, sind ihr offenbar ein Graus. Das sie allgemein Probleme mit offener Meinungsäußerung hat, wird vor allem zum Ende hin deutlich (die sinnfreien Kommentare und die dumpfe Betroffenheit der Moderatorin lasse ich bewusst aus), wenn sie über das Erziehungsprivileg der Eltern herzieht. Aber ich muss früher einsetzen, um das verfassungsrechtlich fragwürdige Meinungsbild der Frau Pfeiffer erfassen zu können. So behauptet sie, dass der deutsche Jugendschutz bewirkt habe, „dass die Spielehersteller sich frei gefühlt haben in die Spiele ab 18 […] so viel Gewalt rein zu packen, wie sie wollen.” Das ist nicht nur der absurde, germanozentristische Ansatz vieler Spielekritiker (wir erinnern uns an die Forderungen von Herstellungsverboten!), die davon ausgehen, dass es einen amerikanischen Produzenten groß interessieren würde, wie die deutschen Jugendschutzrichtlinien aussehen würden. Auch die Unterstellung, dass es das Ziel der Hersteller wäre, ein Maximum an brutaler Gewalt in ihre Spiele einzubauen, ungeachtet aller anderen Punkte ist schlicht absurd und eben nur eine Unterstellung, die eine gefährliche Bahn für die folgende Argumentation schafft.Sie beschwert sich darüber, dass der Jugendschutz an der Haustür endet und es sei eine Schande, dass den Eltern eine so schwere Aufgabe aufgebürdet wird. Auch wenn sie immer wieder betont, dass Verbote nichts bringen, was wäre die Alternative? Wenn Eltern und auch Erzieher wie sie aus der Verantwortung genommen werden, wer bleibt da? Eigentlich nur der Staat. Und wenn sie keine Verbote möchte, dann hilft wohl nur Zensur, um den „Schund und Schmutz“ aus unserer Gesellschaft zu verbannen. Übrigens nicht nur für Jugendliche, denn Frau Pfeiffer erkennt ja auch, dass Jugendliche trotzdem an die Spiele gelangen.

Ergo: Frau Pfeiffer untergräbt das verfassungsgerechte Erziehungsprivileg der Eltern und hätte gerne mehr staatliche Überwachung für mediale Inhalte. Eine äußerst gefährliche Sichtweise wie ich meine. Es ist kein Eingriff in den Jugendschutz, sondern betrifft damit vor allem Erwachsene. Wenn sie suggeriert, dass Entwickler ja ab 18 freie Hand hätten, weil die Spiele dann nicht mehr indiziert (und damit effektiv verboten) werden können, dann ignoriert sie zwei wichtige Punkte:

  1. Dürfen Erwachsene grundsätzlich tun und lassen was sie wollen, solange es nicht gegen Gesetze verstößt.
  2. Können Erwachsene das in der BRD trotzdem nicht, weil trotz 18er-Freigabe zensiert wird.

Auch die Idee, Spieleherstellern zu verbieten, so viel Gewalt zu integrieren „wie sie wollen“ ist eigentlich nur die Idee von staatlicher Kontrolle über Medien und damit nichts anderes als verachtenswert.

Insgesamt ein katastrophaler Bericht bei FrauTV, da nur die Angst vor einem „neuen Medium“ durch Frau Pfeiffer geschürt wird und sie einige demokratiefeindliche Forderungen damit verpacken kann. So nett und besorgt sie wirkt (sie sagt selber von sich, das sie keinen Kreuzzug gegen Videospiele führen würde), so gefährlich sind ihre Ansichten für eine freiheitliche Demokratie.

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